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 Ein Herz und eine Seele

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BeitragThema: Ein Herz und eine Seele   Mo Apr 06, 2015 2:16 pm

Das Telefon klingelte. Ein elfjähriger Riley saß am Küchentisch, tief über seine Hausaufgaben gebeugt, schrieb noch eine Zahl und sah dann auf.
"Riley, kannst du bitte dran gehen? Ich kann gerade nicht." Die Stimme seines Vaters tönte aus dem Arbeitszimmer.
Schnell stand der Junge auf und ging in den Flur, wo das Telefonschränkchen stand. Geh nicht dran. Diesmal nicht. Bitte!
Er hob ab.
Wenige Minuten später trat auch sein Vater in den Flur, verwirrt durch die Stille, einen fragenden Gesichtsausdruck im Gesicht. "Wer ist dran, Riley?"
Sein Sohn rührte sich nicht. Er stand regungslos da, den Hörer am Ohr und Tränen in den Augen, die über ein fassungsloses Gesicht kullerten.

Sie fuhren irgendeine Straße entlang, er konnte sie nicht sehen, denn Riley sah nur auf seine zitternden Hände. Irgendwann, als sie stehen blieben, schwieg sein Vater noch eine Weile, ehe er sich zu ihm wandte. "Ich möchte, dass du im Wagen bleibst, in Ordnung?" Beide schwiegen, schließlich stieg Lucas Nevin aus und für einen Moment drangen Stimmen an Rileys Ohr, dann ging die Fahrertür wieder zu und es wurde wieder still.
Noch immer sah er auf seine Hände. Wieso wolltest du unbedingt mit?
Die Stille dröhnte in seinen Ohren und dann sah er auf. Steig nicht aus. Bleib sitzen, dieses eine Mal, bleib sitzen! Er öffnete die Tür und stieg aus. Langsam ging er zu der Gruppe von Männern, zwei Rettungswägen standen in der Nähe, das Licht auf ihren Dächern leuchtete. Und ein blauer Wagen. Irgendwo schrie und weinte ein Mädchen, eine junge Frau versuchte, sie mit verzweifelter leiser Stimme zu trösten.
Lucas war in einem der Wägen verschwunden. Riley nahm kaum etwas von alldem wahr, alles verschwamm zu einem dumpfen Dröhnen im Hintergrund. Allein den Boden vor seinen Füßen sah er. Langsam ging er auf das blaue Auto zu. Er ging darum herum, bis er an der Spitze des Wagens angekommen war und stehen blieb, den Blick auf den Asphalt vor sich gerichtet. Minutenlang stand er da und starrte auf das Blut, das den grauen Boden fleckig färbte.

"Wieso hat sie's getan?", fragte er leise und sah auf die Platte des Küchentischs, an dem sie saßen. Wieso wirkte das Haus auf einmal so groß und leer? Und so still?
Sein Vater kniete sich neben Rileys Stuhl, legte ihm eine Hand auf seine und sah ihn an. "Sie wollte es.", antwortete er ebenso leise.
"Wieso?" Wieder sammelten sich Tränen in Rileys Augen.
"Hätte sie es nicht getan, wäre das Mädchen ... gestorben."
"Ist mir egal! Das ... macht man doch nicht einfach, wie ... wieso." Es gab nur drei Personen, für die er sich vorstellen konnte, so etwas zu tun. Und jetzt waren es nur noch zwei.
Sein Vater schwieg eine Weile. "Weißt du, Riley ... du weißt, dass wir keine Menschen sind. Und es gibt auch noch einen Grund, wieso wir Flügel haben, wieso wir anders sind."
Mit schmerzlichem Gesichtsausdruck wandte Riley sich jetzt seinem Vater zu. Dessen Gesicht wirkte dunkler als sonst, als läge ein Schatten darauf, den die letzten Stunden darauf gemalt hatten.
"Es gibt eine große Aufgabe, die wir annehmen können. Und dafür werden wir alles tun, wenn wir sie annehmen."
Verwirrt sah Riley ihn an, es war ihm egal, er wollte nur, dass dieser Tag nie existiert hätte. Trotzdem hörte er seinem Vater zu, wünschte sich irgendwelche Worte, die trösten konnten.
"Wir können Schutzengel werden."


Ein sechzehnjähriger Riley schlug die Augen auf. Wieder der Traum, wieder die Erinnerung. Als wollte sein Schlaf, dass er nie vergaß, was er ohnehin nicht vergessen konnte.
Mit erschöpfterem Gesicht als dem, mit dem er sich schlafen gelegt hatte, setzte er sich auf, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und stand auf.
Fünf Jahre war es jetzt her, seit seine Mutter bei diesem Autounfall für das Mädchen, für dessen Schutz sie sich verantwortlich gemacht hatte, gestorben war. Fünf Jahre, in denen Lucas von dem liebevollen Vater, der er gewesen war, zu einem in sich gekehrten, trauernden Mann geworden war, der Mühe damit hatte, sich in all dem Schmerz, der ihn beherbergte, weiterhin um seinen Sohn zu kümmern.
Mit den Jahren hatte dieser gelernt, sich um sich selbst zu kümmern, aber er schaffte es nicht, wieder durch die verschlossene Tür zu seinem Vater durchzudringen. Wenn es ihn überhaupt noch so gab, wie er gewesen war.
Riley ging ins Bad, um sich den Traum vom Gesicht zu waschen, doch es funktionierte so wenig wie all die Tage zuvor, in denen er mit den aufgefrischten Erinnerungen erwacht war.
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Annabeth Dalberg
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Di Apr 07, 2015 7:17 pm

Der Tag hatte wie jeder andere begonnen, war so eintönig und langweilig wie jeder Schultag gewesen. Davon abgesehen, dass es in Strömen regnete. Nicht gerade ein Fakt, welcher sie, als ihr Wecker läutete, dazu ermutigte aufzustehen. Doch nachdem ihr Wecker das dritte Mal penetrant gepiept hatte, war sie aus dem Bett geplumpst, hatte sich zum Kleiderschrank geschleppt und angezogen. Mit der Schultasche auf den Schultern und noch halb geschlossenen Augen, tappte sie die Treppe hinab. Das vierzehnjährige Mädchen wollte nur eine Kleinigkeit essen und dann sollte sie auch schon von Riley abgeholt werden.
In den ganzen Jahren hatte sich ihre Beziehung nicht verschlechtert, nein, im Gegenteil hatte sie das Gefühl, dass sie sich immer enger miteinander verbanden. Auch wenn sie nicht sagen konnte, wir das wirklich klappte. Doch sie fühlte sich zu ihm hingezogen, vielleicht sogar ein wenig auf jene Art und Weiße, welche ihren Eltern absolut nicht gefallen würde. Sie war eigentlich eine Außenseiterin, weil sie nichts davon hielt, sich jeden tag zu schminken und schick anzuziehen, doch dadurch, dass sie gute Kontakte zu einem Schüler zwei Schulstuffen über ihnen hatte, wurde sie zumindest gelegentlich von ihren Schulkollegen angesprochen. Und dann ausgequatscht. Auch wenn sie nicht viel zu sagen hatte. Sie war noch immer das eher verschwiegene Mädchen.
Sie stand gerade im Gang, welcher zu dem Esszimmer führte, als sie inne hielt, sich die Augen rieb und dann die Stirn runzelte. Diese Türe, welche sie gerade vor sich sah, war so gut wie nie verschlossen. Und wenn sie das war, dann konnte das nur eines bedeuten: Ihre Elter stritten sich. Leise ließ sie die Tasche fallen und schlich auf Zehenspitzen zu der Türe, um ihr Ohr gegen das Holz zu drücken.
Doch was sie hörte, war nicht unbedingt, was sie hören wollte.

„Du kannst es ihr nicht verbieten! Sie ist alt genug, um selbst zu entscheiden, wem sie trifft! Und wie kannst du nur so von ihm sprechen? Wir kennen die Familie seitdem sie hier her gezogen ist!“ Die Stimme ihres Vater war voll und laut. Und ganz offensichtlich war er sehr verärgert.
„Wie ich ihr das verbieten kann? Ständig geratet sie in Schwierigkeiten und ich bin mir sicher, dass dieser Jung damit zu tun hat! Seitdem seine Mutter gestorben ist, ist er und sein Vater eigenartig geworden! Riley übt einen schlechten Einfluss auf unsere Tochter aus!“ Ihre Mutter hatte eine nicht minder laute Stimme und Beth hätte wohl gar nicht lauschen müssen, um sie zu verstehen.
„Das kannst du nicht machen, sie sind Freunde fürs Leb…“ Doch weiter kam ihr Vater gar nicht, denn das schwarzhaarige Mädchen stieß die Türe zum Esszimmer auf und trat ein. Ihr Blick schwankte zwischen Ärger und Entsetzten.
„Wie könnte ihr nur so über Riley reden?!“, donnerte sie los und stemmte dabei die Hände in die Hüfte, ganz wie ihre Mutter es immer tat, wen sie wütend war. Nur sah es bei ihr bei weitem nicht so beeindruckend aus. „Er war immer für mich da, immer! Egal was war, wenn ich Probleme war, stand er an erster Stelle zur Verfügung und half mir! Wie könnte ihr es wagen, über ihn zu reden, als wäre er eine schlechte Person?“ Sie lockte sich mit der Zunge über die Eckzähne, welche ein wenig spitze und länger als üblich war. Aber sie waren auch schon beim Zahnarzt gewesen, welcher nur gemeint hatte, das gebe es selten.
„Immer wenn du mit ihm unterwegs bist, geratest du in Schwierigkeiten! Das können wir nicht weiter zulassen! Ich verbiete es dir, dich weiter mit diesen Jungen zu treffen! Und wenn du mir nicht gehorchst, dann wirst du Hausarrest bekommen!“ Annabeths Mutter, welcher sie beinahe aus dem Gesicht geschnitten war, war wohl der Überzeugung, dass sie gerade das richtige tat, im Gegensatz zu ihrer Tochter, welche noch wütender aussah, als ihre Eltern zusammen.
„Einen Scheiß! Ihr habt euch doch nie die Mühe gemacht, ihn wirklich kennen zu lernen! Ich lasse mir doch nicht von euch verbieten, mich mit meinem besten Freund zu treffen! Meinen einzigen richtigen! Da lasse ich mich lieber aus dem Haus werfen!“ Die Wut kochte heißt und brodelnd in ihrer Brust und ließ sie mit den Zähnen knirschen. Wutentbrannt drehte sie sich um und wollte aus dem Raum stürmen, als ihre Mutter ihr Handgelenk umfasste.
„Wo glaubst du das du hingehst?“, donnerte sie.
„Zu Riley, welcher mich in die Schule bringen wird! Und ihr werdet mich nicht davon abhalten!“, kreischte Beth.
„Ich denke nicht Fräulein! So redest du nicht mit deiner Mutter und mir!“, mischte sich nun auch ihr Vater ein.
Die Antwort war unverständlich und ging in ein unmenschliches Knurren unter, welches den Raum erfüllte. Als sich Annabeth langsam umdrehte, hatte sie die Zähen gefletscht und ihre Augen blitzen Topasfarben auf.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Di Apr 07, 2015 7:38 pm

Noch im Pyjama schlich Riley - um seinen Vater nicht zu wecken - in die Küche und stellte Wasser auf, um sich einen Tee für die Schule zu machen. Dann ging er auch schon in sein Zimmer zurück, um sich anzuziehen. Der Traum hatte ihn geweckt, bevor der Wecker hatte klingeln können, weshalb er jetzt noch ein wenig mehr Zeit als sonst hatte, ehe er Beth abholen und mit ihr zur Schule gehen würde.
Leise sammelte er seine Schulsachen zusammen und versuchte, die Erinnerung wieder zu verdrängen, aber als er zurück in die Küche ging und sein Blick beim Vorübergehen ins Arbeitszimmer huschte, sah er dort seinen Vater mit dem Rücken zur Tür in dem Sessel sitzen. Riley blieb stehen und musterte den Hinterkopf seines Vaters, ehe er den Bilderrahmen in dessen Hand sah, die auf der Lehne ruhte. Das Herz wurde ihm schwer. Es war ein Bild seiner Mutter.
Zuerst überlegte er, ob sein Vater vielleicht auch davon geträumt hatte, aber Lucas hatte das Bild so oft in der Hand, dass der Rahmen und das Abdeckglas matt geworden waren.
"Du bist ja schon wach, Dad." Riley hatte mit sich gerungen, aber nun wollte er nicht einfach gehen, ohne etwas zu sagen.
Sein Vater reagierte nicht.
Riley atmete einmal tief durch und trat dann ins Zimmer und an den Sessel heran. "Dad? Ich mache Tee."
Lucas nickte nur und beide schwiegen, bis Riley mit einem leisen: "Ich bring dir auch eine Tasse." wieder hinaus ging.
Betrübt füllte er eine Tasse mit heißem Wasser, gab einen Teebeutel und einen Löffel Honig hinein und füllte mit dem Rest des Wassers seine Termoskanne.
Schließlich brachte er seinem Vater die Tasse, stellte sie auf dem Schreibtisch ab und musterte Lucas noch einmal, wie er nichts tat, als da zu sitzen und das Foto hinter dem Glas anzusehen. Das Leben geht weiter, dachte Riley, aber er hatte nicht die Kraft, es seinem Vater zu sagen.
"Ich gehe in die Schule. Bis heue Abend, Dad." Auf dem Weg zur Tür schulterte er die Tasche.
Er sah nicht mehr, dass Lucas den Blick hob und etwas sagen wollte, dann aber nur lauschte, wie die Schritte seines Sohnes den Raum verließen.

Als Riley aus dem Haus trat, atmete er tief die frische Luft ein, was ein wenig half. Zwar regnete es wie aus Eimern, aber es störte ihn nicht. Im Gegenteil, das Geräusch beruhigte ihn ein wenig.
Bei dem Wetter war es aber kein Wunder, dass Beth noch nicht draußen war. Eiligen Schrittes, weil er nicht gleich komplett durchnässt sein wollte, ging er zu ihrem Haus hinüber, wo er klingelte.
Der Regen rann ihm kalt den Nacken hinunter und schließlich klingelte er erneut, ein zweites Mal, ohne Antwort zu erhalten. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn, kroch seinen Rücken hoch und ließ ihn stirnrunzelnd die Tür öffnen.
"Beth? Bist du fertig?", fragte er, nicht leise, aber auch nicht sonderlich laut, während er ins Haus trat.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Di Apr 07, 2015 8:05 pm

Ein metallener Geruch erfüllte den Gang. Nach nur wenigen Schritten in das kleine, friedliche Haus hinein, wurde auch der Grund dafür sichtbar: Ein großer, roter Fleck, welcher auf der hellen, hölzernen Treppe prangerte. Die selben roten Flecke zogen sich den ganzen Gang entlang, bis zu der Türe, welche in den Speisesaal führte. Auch dort waren rote, nach Metall riechende Flecken, welche nicht nur den hölzernen Boden, sonder auch die weißen Wände befleckt hatte.
Und inmitten dieser Szene stand ein Wolf, mit schwarzem-seidigen Fell. Er war nicht sonderlich groß, scheinbar noch nicht ausgewachsen, doch als Riley eintrat, funkelte der Wolf den Jungen aus blitzenden Augen an und begann zu knurren.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Di Apr 07, 2015 8:40 pm

Mit starrem Blick ging Riley langsam durchs Haus, nur von dem Wunsch angetrieben, Beth unversehrt zu finden, während er nichts lieber wollte, als von hier zu verschwinden. Von dem Geruch wurde ihm übel und vom Anblick all des Blutes nur noch mehr.
Das Herz schlug ihm bis zum Hals und er wagte nicht, noch einmal nach Annabeth oder ihren Eltern zu rufen.
Dann erreichte er den Speisesaal - und blieb wie angewurzelt stehen. Er starrte den Wolf an. Oh Gott, bitte nicht! Bitte! Wo ist Beth?
Es erinnerte ihn an damals, als sie auf der Lichtung gewesen waren und der Wolf aufgetaucht war. Es war ein anderer gewesen, aber mit dem war Beth aus irgendeinem Grund klar gekommen. Und jetzt? Wie kam der Wolf hier überhaupt herein? Er sah viel zu sauber aus, als würde er aus dem Wald kommen.
Aber das alles war egal, Riley starrte ihm nur, vor Schreck und Angst gelähmt, in die Augen und konnte an nichts denken, als daran, wie sehr er sich wünschte, Beth zu sehen. Unversehrt. Bitte!
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Di Apr 07, 2015 9:18 pm

Mit einem Mal ließ der Wolf ein Heulen erklingen und tapste scheinbar ungeschickt auf Riley zu. Doch noch während er sich in Bewegung setzte, begann etwas eigenartiges zu geschehen und die Gliedmaßen des Wolfes verformten sich, das Fell schien sich in den Körper hinein zu ziehen und ein menschliches Gesicht kam dahinter zum Vorschein. Das leuchtende Topas wurde von einem ruhigen Schokoladenbraun abgelöst und die lang geformte Schnauze schien sich in das Gesicht hinein zu drücken. Das Wolfsgeheul wurde von einem langen, klagenden Schrei abgelöst, bevor Annabeth zu Boden fiel.

Der metallene Geruch von Blut drang ihr in die Nase und weckte Gelüste, welche sie zuvor nicht gekannt hatte. Zugleich ekelte sie sich davor und ein Schaudern ging durch ihren Körper, als die Kälte sie mit einem Mal traf. Mit einem Seufzen schlug sie di Augen auf und sah sich um, sah im ersten Moment aber nur den Boden und die rote Farbe. Zumindest glaubte sie im ersten Moment, dass es Farbe sei.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Di Apr 07, 2015 9:28 pm

Fassungslos beobachtete Riley, wie der Wolf sich verwandelte. "Oh mein Gott, Beth!", rief er dann erschrocken, warf seine Schultasche zur Seite und zog seine Jacke aus, um sie über Annabeths bloßen Körper zu legen.
Er kniete sich verzweifelt neben sie und bettete ihren Kopf auf seinen Schoß, damit sie nicht so hart lag. "Du bist ein Werwolf.", flüsterte er, aber noch war sie nicht wieder bei Bewusstsein. Er sagte es für sich. Jetzt verstand er so vieles. Waren ihm ihre Eckzähne nicht schon immer aufgefallen? Sie hatte diesen Wolf im Wald einfach beruhigen können!
Besorgt strich er ihr die Strähnen aus dem Gesicht. Dieses feine Gesicht! Wie konnte es zu einem Wolf werden? War sie das gewesen? Er versuchte, den Blutgeruch zu ignorieren und sich nicht umzusehen, sich einfach nur auf sie zu kontrollieren.
Beth, es tut mir so leid! Ich hätte hier sein und dir helfen sollen! Dich beschützen ... vor dir selbst ... Tränen stiegen ihm in die Augen, aber da regte sie sich und er verdrängte sie rasch wieder.
"Beth!", flüsterte er so ruhig er es vermochte. "Schau mich an. Schau nur mich an."
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 5:57 pm

Annabeth kniff die Augen zusammen und verbarg ihr Gesicht an seiner Brust. Ein Schluchzen machte sich in ihrer Brust breit und sie klammerte sich an den Armen von Riley fest. Sie brauchte sich nicht umzublicken, um feststellen zu können, was passiert war und doch wusste sie nicht genau, was in den letzten Stunden der Minuten passiert war. Das letzte woran sie sich erinnerte, war der Streit zwischen ihren Eltern und ihr. Und dann… War da nichts mehr. Und jetzt war sie aufgewacht, mit einem Geruch in der Nase, welche sie seufzen ließ vor Begierde.
„Was…“ Sie biss sich auf die Unterlippe. „Was ist passiert?“ Um so fester sie die Augen zusammen kniff um so stärker brannte sich ihr der kurze Anblick, welchen sie auf ihre Umgebung geworfen hatte, ein. Sie während sie die Augen geschlossen hielt, schien sich die Umgebung zu ändern. Zwar hing noch immer der metallene Geruch in der Luft, doch die Wohnung erschien wieder wie sonst auch immer: Makellos rein und freundlich.
„Wir… Wir müssen hier verschwinden.“ Sie fühlte sich zittrig und schwach und konnte nicht sagen wieso. Was auch immer genau passiert war, hatte sie völlig ausgelaugt.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 8:20 pm

Verzweifelt hielt er sie fest und wieder sammelten sich Tränen in seinen Augen, während er nicht imstande war, ihr zu antworten.
Aber sie hatte recht. Sie mussten weg. Doch sie trug nichts als seine Jacke und er wollte nicht im Haus nach Kleidern suchen, aus Angst, was er stattdessen finden könnte.
Schließlich hob er sie hoch, hielt einen Arm unter ihren Knien, den anderen hinter ihrem Rücken, drückte sie an sich und stand auf. Länger konnte er hier nicht bleiben und sie sollte es auch nicht. Er eilte zur Hintertür, während er versuchte, nicht auf all das Rot um sicher herum zu achten, von dessen Geruch ihm schlecht wurde.
Er stieß die Tür auf und der strömende Regen verbarg sie vor Blicken, die irgendwer vielleicht in ihre Richtung warf. Die frische Luft tat in den Lungen gut, während er zum Haus seiner Eltern eilte und Annabeth leise ins Haus brachte. Er wusste nicht, wie viel sein Vater mitbekam oder ob er vielleicht schon wieder schlief, er brachte sie nur schnell die Treppe hoch und in sein Zimmer, wo er sie vorichtig auf dem Bett absetzte und sich dann abwandte, als würde ihm erst jetzt wieder einfallen, wie wenig sie am Leib trug.
"Such dir, was du brauchst aus meinem Schrank.", murmelte er. "Ich bin gleich wieder da."
Es brach ihm fast das Herz, sie jetzt noch einmal allein zu lassen, aber kaum war er aus der Tür, konnte er nicht mehr verbergen, wie sehr seine Hände und Knie zitterten. Eiligen Schrittes ging er wieder in den Garten, wo er sich neben die Terrasse erbrach.
Keuchend stand er ein paar Sekunden unter dem Vordach und starrte in den Regen, dann wischte er sich den Mund ab und ging wieder nach oben.
Hundert Gedanken rasten durch seinen Kopf, aber er hatte nicht die Kraft, sie zu denken.
Leise klopfte er an seine Zimmertür. Er wollte so schnell wie möglich wieder zu Beth, selbst wenn er nur kurz wegsah, fürchtete er, sie könnte wieder in dem Speisesaal liegen, allein und umgeben von diesem furchtbaren Geruch. Noch immer schlug sein Herz schnell und schmerzte fast.
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Annabeth Dalberg
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 9:24 pm

Geschwiegen hatte Annabeth, nur stimmte Tränen waren ihr aus den geschlossenen Augen gequollen und sie hatte sich an Riley geklammert, als wäre er ihre letzte Hoffnung. Und in gewisser Weiße war er das sogar gewesen, in ihrer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, welche sie ergriffen hatte. Es bedarf keiner Blicke um zu begreifen, was geschehen war und auch keiner Worte. So etwas spürte man, oder auch nicht. Und sie hatte es gespürt. Die Verzweiflung, welche sie, aber auch Riley erfasst hatte. Sie beide wussten, was geschehen waren. Er vielleicht sogar noch mehr als sie. Doch darüber reden wollte sie nicht.
Sie war zu sehr in ihrer Angst gefangen, als dass sie überhaupt begriff, wohin er sie brachte. Erst, als er sie alleine ließ und sie sich mit einem Mal einsam fühlte, war sie sich bewusst, dass er sie zu sich nach Hause gebracht hatte. Eigentlich nicht so weit weg, wie sie es sich gewünscht hätte, aber fürs erste besser als fort zu bleiben. Sie sah sich um. Und begriff.
Fröstelnd torkelte sie zum Kleiderschrank und riss neben einer Boxershorts eine T-Shirt und eine Hose heraus. Beides zog sie schnell an, ohne darauf zu achten, was es war. Die Hose fixierte sie dann noch mit einem Gürtel, bevor sie in einen Spiegel starrte. Sie sah sich selbst, zugleich aber auch eine Fremde. Eine völlig andere Person, mit einem friedlichen und schönen Leben. Sie schiffte und fuhr sich mit den Hände über die Augen. Auch die nächste Handlung war unüberlegt und ohne einem klaren Gedanken. Sie schnappte sich eine Schere von Riley Schreibtisch und fuhr sich damit durch die Haare.
Unterarmlänge Strähnen fielen zu Boden und ihre einst hüftlangen Haare waren nun nur mehr Kinnlang. Doch es tat gut solch eine Veränderung zu sehen. Zumal sie sich sicher war, dass sie, sollte sie nicht von der Polizei gefangen genommen werden, hier verschwinden sollte. Es war ein Neuanfang und ein Ende. Wieder brach sie in Tränen aus und ließ die Schere fallen, als ihre Beine nachgaben.
„Was habe ich getan?“ Sie begann sich vor und zurück zu wiegen, während sie ihr eigenes Spiegelbild anstarrte.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 9:34 pm

Er ertrug es kaum, nicht bei ihr zu sein und als er ihre Stimme hörte, öffnete er sofort die Tür und schloss sie hinter sich wieder. Mit wenigen Schritten war er bei ihr und sah kurz auf die langen Haare, die am Boden lagen, ehe er hinter ihr stehen blieb und sich so schuldig fühlte, so nutzlos.
Leise kniete er sich schräg hinter sie und legte ihr einen Arm auf die Schulter. "Es tut mir leid.", flüsterte er mit brüchiger Stimme. "Es tut mir leid, dass ich nicht da war, um dir beizustehen. Um ... dich zu beschützen." Wenn nötig, vor dir selbst.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 9:45 pm

Sie wandte sich zu Riley um und umklammerte ihn. Sie verbarg ihr Gesicht an seinem Hals und brachte kein Wort heraus. Tränen verschleierten ihre Sicht und alles was geschehen war, bedrückte sie so sehr, dass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte. Sie hielt die Augen geschlossen und doch nahm sie etwas wahr. Ein stetiges und rhythmisches Pochen lenkte ihre Aufmerksamkeit auf Riley. Sie hatte es schon immer gehört, aber niemals so deutlich. Sie brauchte einige Momente, bevor sie es aber realisieren konnte und riss die Augen auf. Sie dachte nicht weiter darüber nach, was sie tat.
Die Tränen waren mit einem Mal versiegt und sie öffnete den Mund leicht. Sein Geruch war mit einem mal so intensiv, dass es ihr den Atem verschlug. Sie stieß ein leises Knurren aus, doch es war nicht bedrohlich, sondern besitzergreifend, als sie Riley in den Hals biss.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 9:55 pm

Riley hielt sie fest und atmete tief ein und aus, um sein Zittern zu verbergen. Er hatte die Augen geschlossen und versuchte, nicht unter dem Ansturm aus Gedanken, was sie jetzt nur tun sollten und dass sich alles ändern würde, unterzugehen.
Als er dann mit einem Mal spitze Zähne spürte, die sich in seinen Hals bohrten, zuckte er zusammen und riss die Augen wieder auf, während er sich erneut am ganzen Körper anspannte. Schmerz durchzuckte ihn.
"Beth! Was tust du da?" Panisch dachte er, sie würde sich erneut in einen Wolf verwandeln, und legte die Hände an ihre Schultern, um sie von sich weg zu drücken und festzuhalten, falls das etwas brachte, während er wieder zu zittern begann.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 10:07 pm

Sie gab keine Antwort, sondern begann rein instinktiv zu handeln und mit der Zunge über die kleinen Wunden zu lecken, um den Blutfluss anzuregen. Sie stöhnte leise, als die Flüssigkeit warm und salzig durch ihr Kehle rann und sie hielt Riley mit überraschender Kraft an sich gedrückt. Sie zitterte anfangs noch, doch nach einigen Sekunden wurde sie ruhiger und saugte etwas kräftiger, die Augen weit geöffnet, aber doch scheinbar in dem Moment der Ekstase gefangen. Ihre Haut kribbelte und sie spürte, wie lange die Kraft in ihre Gliedern zurück kehrte. Es war ein gutes Gefühl, aber auch eigenartig. Es schien, als wäre etwas in ihrem Inneren zerbrochen und nun würde mit einem Mal alles über sie herein brechen, was sie Jahrelang zurück gehalten und verdrängt hatte. Sie atmete ruhig, während sie gleichmäßig an der Wunde saugte, langsam die Augen schloss. Doch dann mit einem mal riss die diese wieder auf und löste sich von Riley. Mit einem Aufschrei, welcher ihr Entsetzen und ihre Angst ausdrückten, stieß sie sich von ihm weg und krabbelte rückwärts weg von ihm, mit entsetztem Blick.
„Was… Was passiert nur mit mir?“, brachte sie unter Tränen hervor und fuhr sich über den Mund, auf welchem ein kleiner Fleck Blut klebte. Doch weder der Geruch noch der Geschmack störten sie momentane wirklich. „Ry, ich verstehe das Alles nicht? Ist das ein Albtraum? Warum zerbricht gerade alles?“
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 10:29 pm

Sein Herz pochte kräftig und er wehrte sich gegen sie, doch irgendwann hörte er auf damit. Er schloss die Augen und keuchte leise, während er darauf wartete, dass es vorbei war. Ein wenig schwummrig im Kopf hatte er das Gefühl, dass ihm zusammen mit dem Blut Kraft entwich.
Als sie dann von ihm abließ, senkte er den Kopf, presste sich eine Hand gegen den schmerzenden Hals und öffnete die Augen, nur, um zu Boden zu schauen. Er zitterte und versuchte, wieder ruhiger zu atmen.
Nun schossen nur noch mehr Gedanken durch seinen Kopf und je mehr es wurden, desto weniger nahm er sie wahr. Als er aber Beths verzweifelte Stimme hörte, konnte er nicht anders, als aufzublicken und zu ihr zu rücken. Er fühlte sich so erschöpft!
"Es ist in Odrnung, Beth.", sagte er leise und nahm widerwillig die Hand vom Hals, wischte sie an seiner Hose ab und stützte sich auf sie, um mit der anderen nach Annabeths Hand zu greifen. "Scheinbar ... bist du kein Mensch." Wieso war es so schwer, das zu sagen? Weil es auf grausame Weise zum Vorschein kam, gab er sich selbst die Antwort.
"Und bei jedem kommt irgendwann das wahre Selbst hervor, egal, was man ist."
Er hätte sie so gern in die Arme genommen, aber er wusste nicht, ob sie das gerade wollte. Warum hatte sie dadurch nur etwas so schlimmes tun müssen? Du bist auch ein Vampir! Es war schwer, sich das bewusst zu machen, obwohl er es gerade am eigenen Leib erfahren hatte. Ein beängstigendes und hilfloses Gefühl hatte es in ihm ausgelöst, aber es war fort und das bekümmerte ihn nun kaum noch, ihm schmerzte nur das Herz bei dem Gedanken, dass sie nun keine Eltern mehr hatte.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 10:37 pm

„Aber warum? Warum musste das geschehen? Warum?“ Sie weinte und die Tränen rannen ihr noch immer zahlreich über das Gesicht. Sie hob die Arme um ihn auf Abstand zu halten, auch wenn sie es nicht gekonnt hätte, selbst wenn sie wollte. Doch sie hatte Angst, ihren Instinkten wieder nachzugeben und sie nicht im Griff zu haben. Auch wenn es in ihrem Inneren mit einem Mal ruhig war. Geradezu beängstigend ruhig. Es war, als würde sie jetzt alles klar sehen, so viel klarer als als gerade eben noch. Als wenn Riley Blut ihr die Kraft gab, das alles aus einem völlig anderem Blickwinkel zu sehen, aus dem einer unbeteiligten Person.
Sie wusste, dass sie etwas Schreckliches getan hatte. Und das nicht nur gerade eben Riley gegenüber. Sie spürte es einfach und der Geruch des Blutes, der Anblick, hatte sich ihr ins Gedächtnis gebrannt. Sie wusste, sie würde es nie wieder los werden. Sie wischte sich über die Augen, die letzten Tränen weg.
„Ich muss hier weg.“ Die Worte waren bewusst gewählt. Sie wollte ihn nicht in etwas mit hinein ziehen, was ihn nichts anging, wofür er nichts konnte. Sie wollte ihn nicht weiter in Gefahr begeben, dafür bedeutete er ihr zu viel. Zumal er der letzte war, den sie hatte. Sie war ansonsten völlig alleine, wo wenig sie das wahr haben wollte. „Ich… Werde fliehen müssen. Oder so.“ Sie wusste nicht wohin. Mit dem Bus in die Nächste große Stadt und dann? Mit einem Zug irgendwo hin? Sie bräuchte Geld. Und Essen…
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 10:42 pm

Leise saß er neben ihr und sah sie bedrückt an, ein leichtes Wummern im Kopf.
Wie gern hätte er ihr widersprochen, aber bevor er es tun konnte, wurde ihm klar, dass sie wohl recht hatte. Irgendwann würde jemand in ihrem Haus nachsehen ... und dann?
"Ja ...", gab er leise zurück. "Ich ..." Er stand auf und sah sich ein wenig ratlos in seinem Zimmer um, drückte die Hand noch einmal gegen seinen Hals und holte dann aus dem Schrank einen großen Rucksack hervor. "Pack hier alles rein, was wir brauchen werden, ich ..." ... sollte mit meinem Vater reden. Auch, wenn ich nicht weiß, wie ...
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 10:50 pm

Sie nickte stumm und nahm den Rucksack entgegen. Sie dachte gar nicht darüber nach, seinem Befehl nicht zu befolgen, ihn darin zu widersprechen, dass er mit ihr mit kam. Er war immer an ihrer Seite gewesen und sie wollte es gar nicht anders. Sie wollte ihn immer bei sich haben, immer in seiner Nähe. Sie wollte wissen, dass er sie auffangen würde, sollte sie stürzen.
„Ich kümmere mich darum.“ Und als hätte sie seine Gedanken gelesen, fügte sie noch hinzu „Sprich du mit deinem Dad. Ich hoffe… Ich hoffe du weißt, dass ich dich lieb habe?“ Nicht wie einen Geliebten, sondern wie man einen Bruder lieb hatte. Wie jemand, der immer die Hände schützen über einem hielt. Dann begann sie Gewand und alles andere, was ihr sinnvoll erschien, in den Rucksack zu packen.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Do Apr 09, 2015 11:04 pm

Er sah zu ihr und obwohl in den letzten Stunden so viel Schlimmes passiert war, lächelte er sie sachte an. "Ich hab dich auch lieb." Froh darüber, dass sie ihn nicht davon abhalten wollte, mit ihr mitzukommen, verließ er schweren Herzens das Zimmer und atmete auf dem Weg nach unten ein paar Mal tief durch, um sich für das Gespräch mit seinem Vater zu wapnen. Noch immer wusste er nicht, was er denn überhaupt sagen wollte.
"Dad, bist du wach?", fragte Riley flüsternd, als er wieder im Türrahmen zum Arbeitszimmer stand. Als er seinen Vater am Schreibtisch sitzen saß, trat er leise ein und zögerte.
Mit vor Trauer dunklen Augen sah Lucas schließlich auf - und erschrak. Sein Sohn hatte Blut an der Hand, ganz abgesehen von dem Blut, das ihm leise vom Hals hinuntersickerte und den Kragen seines Hemdes färbte.
"Riley, was ..." Seine Stimme wankte vor Schreck und Sorge.
"Es ist alles in Ordnung. Dad, ich muss mit dir reden, bitte." Dieses eine Mal. Hör mir zu, bitte. Hör zu und verstehe mich.
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Annabeth Dalberg
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Fr Apr 10, 2015 8:46 pm

Langsam stand Annabeth auf und sah sich um. Sie begann ganz logisch über diese doch irgendwie unlogische Handlung nachzudenken. Es ergab keinen Sinn, was geschehen war, was sie erlebt und getan hatte, doch er ergab einen Sinn, wie sie darauf reagierte. Oder? Sie hoffte sehr, denn es fühlte sich wie die einzige logische Reaktion an. Und wenn sie nun fliehen würden – wohinauf immer – musste sie ganz logisch daran heran gehen, was sie einzupacken hatte.
Sie begann Kleidung in den Rucksack zu stecken, so, dass möglichst viel hinein passen würde. Sie konnte und wollte nicht zurück in ihr Haus, was bedeutete, dass sie eine Zeit lang mit seiner Kleidung auskommen musste. Also packte sie hauptsächlich das ein, was ihnen beiden wohl passen würde und für was sich Riley hoffentlich nicht schämen würde. Dann ging sie in das Badezimmer, welches sie von ihren besuche hier kannte und packte neben seiner Zahnbürste und den üblichen Medikamenten und Cremen auch Verbandszeug ein. Wobei sie letzteres noch nicht hinein steckte. Sie würde wieder gut machen, was sie angestellt hatte. ‚Ich bin kein Monster. Ich bin ein Mensch und ich verletzte niemanden.‘ Sie fuhr sich mit der Zunge über die Eckzähne und verzog das Gesicht. Wem machte sie etwas vor. Sie war kein Mensch, auch wenn sie es nicht glauben konnte. Aber Riley hatte es ihr gesagt und sie glaube ihm. Sie würde ihm alle glauben. Langsam ließ sie sich auf sein Bett sinken und schloss die Augen.
„Komme nur schnell zurück.“ Sie würde es nicht zugeben, doch sie hatte Angst vor sich selbst. Sie verstand sich nicht und wollte nicht nur vor dem fliehen, was geschehen war, sondern auch vor dem, was das für sie bedeutete.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Fr Apr 10, 2015 9:00 pm

Es war ein schwieriges Gespräch, aber schließlich nickte Lucas langsam. Er und seine Frau waren ebenfalls Engel und er glaubte seinem Sohn, wenn dieser sagte, dass er für diese eine Person alles tun wollte. Aus dem selben Grund hatte er bereits seine Frau verloren, aber er wusste, dass es im Blut ihrer Gattung oder zumindest dem ihrer Familie lag, genau das zu tun.
Vielleicht wusste er aber auch, dass er in den letzten Jahren nicht so für Riley hätte da gewesen war, wie er es hätte sein wollen. Riley war jetzt 16 und es schien, als würden sie seit langer Zeit wieder ein Gespräch führen, bei dem Lucas ganz mit den Gedanken bei seinem Sohn war.
Genau wusste er nicht, was vorgefallen war, aber er versprach, nichts zu tun, was Annabeth oder Riley schaden könnte.
"Deine Mutter ist bei uns. Unsere Gedanken sind bei dir und Annabeth.", sagte er schließlich leise, als sie sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder richtig umarmten.
"Ich werde alles für sie tun, Vater. Ganz egal, was. Ich beschütze sie."
Lucas verzog schmerzlich das Gesicht, aber ihm war klar, dass eine solche Entscheidung, war sie einmal gefällt, nicht mehr zu ändern war. Zumindest würde sie das nicht für Riley sein und sie war es auch nicht für seine Frau Sophie gewesen.
Ein letztes Mal drückte er den Sohn fest an sich, dann löste er sich von ihm, die Hände noch immer auf seinen Schultern, und nickte ihm zu.
"Passt auf euch auf." Seine einst so starke und warme Stimme war im Lauf der letzten Jahre immer schwächer geworden und jetzt brach sie beinahe.
"Natürlich, Dad. Du auch. Ich komm wieder, versprochen."

Mit dem Kopf voller Gedanken und noch immer etwas weichen Knien ging er die Treppe erneut nach oben und betrat sein Zimmer, wo er erleichtert ausatmete, als er sah, dass Beth noch da war. Ständig hatte er Angst, sie könnte wieder fort sein, allein, in Gefahr oder wieder in dem Haus. Angst, er würde noch immer dort vor ihr stehen und alles danach wäre nur ein Gedankenspiel gewesen. Wenn es eins war, dauerte es noch an.
Einen Moment blieb er stehen und sah ihr in die Augen.
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Annabeth Dalberg
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Fr Apr 10, 2015 9:19 pm

Langsam stand sie auf und hob den Verband an, welchen sie noch nicht verpackt hatte. Sie lächelte ihm nicht an, das konnte sie nicht. Zu vieles war geschehen, zu vieles hatte sie in den letzten Stunden innerlich zerrissen, doch sie konnte noch für den einen Menschen da sein, welcher ihr immer alles gegeben hatte, was er besaß. Und das sollte sie nicht einfach so weg werfen.
‚Das werde ich auch nicht. Ich werde niemals dein Geschenk mit Füßen treten, ich verspreche es dir. Du bist die letzte Person, welche mir geblieben ist, ich werde dich auf Händen tragen, wenn nötig‘ Sie konnte es nicht aussprechen, denn das würde bedeuten, dass sie sich eingestand, dass sie nun beinahe alleine war. Aber andererseits war sie das eben doch nicht denn Riley war bei ihr.
Sie wartete nicht auf sein Einverständnis, sonder reinigte die Wunde schnell, gab etwas Heilcreme auf die Vliesstoffkompresse, welche sie dann vorsichtig mit etwas Verband auf den beiden kleinen Wunden, welche sie auf seinem Hals hinterlassen hatte, befestigte.
„Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist“, hauchte sie. „Ich bin sonst keine Kannibalin.“ Sie gab ein ersticktes Lachen von sich, während sie den Verband befestigte und ihre Hand auf seiner Schulter ruhen ließ. Sie sah ihm in die Augen und versuchte jegliche Verzweiflung aus ihren Augen zu vertreiben.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Fr Apr 10, 2015 9:26 pm

"Das ist nicht nötig ...", murmelte er und hob die Hand, ließ sie dann aber machen, hielt still und wartete.
Die ganze Zeit über sah er sie an, beobachtete ihre Augenbrauen, die Lider, den Mund und die Augen. Schließlich blickte er ihr direkt in die Augen und schwieg einen Moment.
"Das bist du auch nicht. Es ist alles gut, hörst du?" Nun nahm er sie doch in den Arm, hielt sie fest und drückte sie leicht an sich. "Wir kriegen das hin, keine Angst. Ich bleib bei dir."
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Fr Apr 10, 2015 9:42 pm

„Was bin ich denn, wenn kein Monster?“, fragte sie und verbarg ihr Gesicht an seiner Schulter. Sie vergoss keine Tränen mehr, denn es waren keine mehr übrig. Doch sie fühlte sich bei ihm so viel sicherer. „Ich erinnere mich nicht, was geschehen ist, was nach dem Streit vorgefallen ist, aber als ich wieder zu mir kam, war überall…“ Sie schluckte und schüttelte leicht den Kopf. Sie wollte es nicht aussprechen. Damit würde es zu real werden. „Aber ich hatte damit zu tun.Das weiß ich. Ry, ich… Bin ein Monster, nicht wahr?“ Diese Vorstellung machte ihr Angst, brachte sie aber nicht aus der Fassung. Sie blieb weiter ruhig, zumindest nach außen hin.
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BeitragThema: Re: Ein Herz und eine Seele   Fr Apr 10, 2015 10:12 pm

Dass sie so aufgelöst war, schmerzte ihn fast körperlich, er nahm sie fester in die Arme und fuhr ihr hilflos mit der Hand über den Rücken. Schließlich löste er sich ein Stück von ihr, um ihr entschlossen in die Augen zu sehen.
"Nein, hör auf, das auch nur zu denken.", sagte er bestimmt. "Es gibt viele andere, die so sind wie du. Es gibt sie nun mal, wie es auch Menschen gibt. Das ist völlig normal, nur, dass sie eben mit ihren ... Gaben zurechtkommen müssen."
Auch ihm saß noch der Schock in den Gliedern, aber er musste jetzt für sie da sein, das war das einzig wichtige. "Du bist du und du bist wundervoll.", murmelte er und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
Auch, wenn es auf Außenstehende vielleicht so wirkte, er liebte sie nicht auf romantische Art, sondern wie man eine Schwester liebte. Oder etwas dazwischen, er wusste es selbst nicht genau.
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