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 Im Focus

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BeitragThema: Im Focus   Sa Sep 05, 2015 1:42 pm

Ein paar Tage waren vergangen, seit Elijah in die Stadt gekommen war - und außer eine paar netten Bekanntschaften hatte er bisher kaum etwas zu Stande gebracht. Ein toller Anfang.
So darf es nicht weitergehen ... Nachdenklich vor sich hin schlendernd ließ der junge Mann das Ortsschild hinter sich. Vor ihm war das Land in dämmeriges Licht getaucht. Die ganze Nacht über hatte es geregnet und nun tropfte es von den Blättern der Büsche und Bäume, die er passierte. Noch war der Himmel mit grauen Wolken bedeckt, doch einige blaue Streifen deuteten an, dass das Grau im Laufe des Tages doch eher eine blaue Farbe annehmen würde.
Unter seinen dicken Schuhen, die alle Feuchtigkeit aussperrten, schmatzte das Gras, als er auf eine Wiese trat. Einige hundert Meter entfernt von ihm ragten grobe, graue, schwarze und auch hellere Steinplatten aus dem Nebel. Manch einer hätte sich vielleicht davor gefürchtet, doch Elijah hatte schon wesentlich schaurigere Plätze besucht. Dementsprechend war er die Ruhe selbst.
Er hatte sich hier raus begeben, um auf dem Friedhof nach Hinweisen zu suchen. Vielleicht gab es Auffälligkeiten, einen Namen, der sich immer wieder wiederholte oder Ähnliches ... Er brauchte einen Anfang, er brauchte endlich Informationen die ihn weiterbringen würden! Und um dieses Ziel zu erreichen musste er alle Möglichkeiten nutzen.
Den schmalen Kiesweg zum Friedhof entlang laufend heftete Elijah seine kühlen Augen auf die Steinplatten. Endlich dort angekommen, trat er durch das Tor und begann mit langsamen Schritten, durch die Reihen an Gräbern zu streifen. Dabei betrachtete er die Grabsteine und ihre Inschriften mit scharfen Augen.
Roosewood, Chester, Miller, Carington, ...
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BeitragThema: Re: Im Focus   Sa Sep 05, 2015 3:20 pm

Leise tropfte das Wasser von den Bäumen und Büschen auf die Erde, der frische Geruch nach dem Regen hüllte die junge Frau ein und zauberte ein Lächeln auf ihre Lippen. Seit mehr als einer Stunde wanderte sie durch den Nebel, der immer neue Formen in die Landschaft malte und die ganze Welt in die richtige Stimmung für ihre Fotos tauchte. Der Saum ihrer Hose war durch das nasse Gras bereits lange feucht und auch auf ihrer Jacke glitzerten immer mehr der kleinen Regentröpfchen. Noch immer war der Himmel grau und bedeckt, tauchte die Welt in ein graues, mattes Licht. Sie hätte sich keinen besseren Tag, oder kein besseres Wetter, für eine kleine Jagd nach neuen Motiven, nach Momenten, die sie festhalten wollte, aussuchen können.
Sie war mittlerweile am Waldrand angekommen, lief ohne Ziel geradewegs Richtung Ortsausgang und zum Friedhof. Die Stimmung, die das Wetter und der frühe Tag mit sich brachten, passten einfach perfekt zu dem Ort. Hinter ihr brach ein Zweig und veranlasste sie dazu, sich umzudrehen. Mit der Kamera in der Hand sah sie sich vorsichtig nach der Ursache des Geräusches um und fand ein Reh, mehrere Meter von ihr entfernt zwischen den Bäumen, das sie genauso abwartend ansah, wie sie das Tier. Mit einem leisen Klick hielt sie es fest, bevor es genauso schnell wieder verschwand, wie es gekommen war.
Weiterhin lächelnd stapfte sie durch das feuchte Gras, immer weiter auf den Friedhof zu. Schon aus der Entfernung konnte sie das Tor und die Mauer erkennen, die den Nebel durchbrachen und blieb stehen. Wieder folgten einige Fotos, bevor sie Schritt für Schritt weiter auf das Tor zuging und dabei immer wieder kurz stehen blieb, um weitere Fotos zu machen.
Wenige Meter von dem Tor entfernt hielt Lilja erneut, sah sich um und entdeckte eine dunkle Gestalt, die zwischen den Reihen der Gräber umher schritt, scheinbar auf der Suche nach etwas. Sie konnte es einfach nicht lassen, machte weitere Fotos, ehe sie sich dazu entschied, selbst diesen verlassenen Ort zu betreten. Quietschend öffnete sich das Tor und die Blondine schlüpfte hindurch.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Sa Sep 05, 2015 3:35 pm

Gedankenverloren strich Elijah über den Friedhof. Seine Schritte hatten sich an die Stille angepasst, denn schritt er sonst entschlossen voran, setzte er nun seine Schritte mit Bedacht und verriet sein Dasein nur durch das leise Knirschen und Schmatzen des Grases unter seinen Schuhen. Irgendwo musste etwas Seltsames sein, es konnte ja schließlich nicht angehen, dass in dieser verdammten Stadt nur die Menschen - oder eben Schattenwesen - etwas wussten.
Der junge Mann rief sich die Erinnerung an das Zimmer vor Augen, als er es nach dem Mord an ihr betreten hatte. Blut, überall. Ein ekelhafter Geruch hatte in der Luft gelegen ... Und da war ein Silbermesser gewesen ... Silber. Das war der Schlüssel zum Töten eines Vampirs, etwas Essentielles, das ein Jäger oder Nephilim immer mit sich führen musste.
Gerade wollte er sich aufmachen, den hinteren Teil des Friedhofs mit den Mausoleen zu erkunden, da quietschte es hinter ihm. Einem Instinkt aus der Zeit des Krieges folgend, duckte er sich hinter den nächsten Grabstein und wandte sich dabei dem Tor zu. Ein schlanke Gestalt mit einer Kamera in der Hand hatte den Friedhof betreten.
Das kann ja wohl nicht sein.
Mit einem lässigen Lächeln auf den Lippen, erhob sich Elijah aus der Hocke und musterte Lilja.
"Na hallo, wen haben wir denn da ...?", begrüßte er sie und trat langsam einige Schritte auf sie zu. "Machst du das öfter? Gräber fotografieren? Klingt, als wärst du eine sehr lebensbejahende Person."
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BeitragThema: Re: Im Focus   Sa Sep 05, 2015 4:00 pm

Nachdenklich betrachtete sie ihre Umgebung, während sie immer mehr Fotos machte, von denen sie am Ende sicher mehr als die Hälfte wieder löschen würde. Schon seit Tagen dachte sie über die seltsame Begegnung um Café nach, die sie und Skyler gehabt hatten, man traf schließlich nicht alle Tage auf einen gefallenen Engel. Oder in ihrem Fall bis dahin nie. Kein Wunder also, dass sie ihn nicht zuordnen konnte und er so eine mysteriöse, dunkle Ausstrahlung hatte, die sie einerseits wirklich faszinierend, andererseits nicht besonders gut fand. Zu oft hatte sie erlebt, wie Menschen mit genau so einer Ausstrahlung Leben auslöschten, und er war da mit Sicherheit nicht die Ausnahme.
Seufzend versuchte die Finnin die Gedanken beiseite zu schieben und betrat schließlich den Friedhof. Sie wollte niemanden stören, immerhin wusste sie, dass bereits jemand da war, aber es würde vermutlich Tage, Wochen, oder gar Monate dauern, bis das Wetter so perfekt war, um an diesem Ort zu fotografieren. Einer der wenigen Orte, an denen Leben und Tod so nah beieinander waren.
So quietschend sich das Tor geöffnet hatte, so quietschend fiel es auch wieder hinter ihr zu. In Horrorfilmen, die sie wirklich liebte, wäre sie nun das hilflose kleine Opfer gewesen. Allein in der Dunkelheit auf einem Friedhof. Mit dem Unterschied, dass es weder dunkel war, noch war sie allein. Obwohl.. Die Wölfin blickte sich noch einmal um. Hatte gerade eben nicht noch jemand etwas gesucht und war zwischen den Gräbern entlang gegangen? Jetzt konnte sie jedenfalls niemanden entdecken. Verwirrt machte sie einige Schritte in die entgegengesetzte Richtung der nicht mehr vorhandenen Person, suchte auf ihrer Kamera nach den Bildern, die sie eben noch gemacht hatte. Nur um sicher zu gehen, dass der Nebel ihr keinen Streich gespielt hatte.
Mit gerunzelter Stirn stand sie da, die Kamera in den Händen haltend, und suchte sich durch die letzten Aufnahmen. Da war definitiv ein menschliches Wesen gewesen! Und kaum wollte sie aufsehen, um sich ein weiteres Mal umzusehen, erklang hinter ihr eine Stimme. Verwirrt und überrascht hob sie den Kopf, drehte sich um und entdeckte.. Elijah?! Ist man denn nirgends vor ihm sicher?! Sie warf noch einen Blick auf den Gegenstand in ihren Händen, dann einen zweiten zu dem Engel, an den sie vor wenigen Momenten noch gedacht hatte, bevor sie sich zu einer Antwort überreden konnte.
"Naja", meinte sie, zuckte mit den Schultern und ließ ihren Blick über den vermutlich nicht mehr wirklich jungen Mann gleiten. "Das Wetter ist perfekt, erzeugt die richtige Stimmung. Und ich mag den Kontrast." Mit dem Kopf deutete sie auf eines der Gräber in ihrer Nähe. Der Grabstein war schief und verwittert, die Blumen davor blühten in bunten, prächtigen Farben. Leben und Tod.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Sa Sep 05, 2015 4:14 pm

Lilja schien überrascht, ihn hier zu sehen, das verrieten ihre unsicher umherirrenden Augen und ihr Gesichtsausdruck sprach wirklich Bände. Elijah beobachtete schon so lange Menschen, es war eine seiner leichtesten Übungen, ihre Stimmung herauszufinden. Gerade deshalb verstand er sich schließlich auch so gut darauf, mit ihnen zu spielen. Obwohl er diese Intention nun nicht gerade bei Lilja hatte. Bei ihr dachte er eher .... An andere Dinge. Aber er musste sich in Geduld üben. Sie schien schwankend in der Vergabe ihrer Sympathiepunkte und er wollte es sich nicht mit ihr verscherzen. Es wäre so eine gute Möglichkeit, mal wieder ein wenig in Schwung zu kommen, sowohl mental als auch körperlich. Mädchen wie Lilja forderten ihn zu mentalen Höchstleistungen - immerhin fielen sie nicht auf eine einfacher Masche herein. Und körperlich ... Nun ja. In diesem Punkt konnte er über sie noch keine Aussage treffen. Noch.
Schlagartig wechselten seine Gedanken zu einem vollkommen anderem Thema. Wo ich gerade bei mentalen Höchstleistungen war, ich bin schon wieder dabei.Sie mochte also Kontraste ... Interessant. Er selbst vereinte in sich einen ziemlich großen Kontrast ... Oder besser hatte er ihn in sich vereint - als er, damals noch ein Engel, im Krieg gekämpft hatte. Seine Hände, gebadet in Blut, auf dem Rücken eine Sammlung an Schutzwaffen, seine Haut und sein Haar starrend vor Schmutz. Er hatte noch genau vor Augen, wie er einmal im Offiziersbad in den Spiegel geschaut hatte. Damals hatte er sich gerade seines T-Shirts entledigt, um den Flügeln etwas mehr Freiraum zu gewähren. Dieses bizarre Bild ... Reine, weiße Engelflügel, die aus seinem Rücken wuchsen und sich gerade auffächerten, dazu sein dreckstarrender Körper, überzogen mit blutigen Spuren und offenen Wunden.
"Kontraste also?", meinte er mehr zu sich selbst, als an sie gewandt und betrachtete das Grab, welches mit frischen, hellen Blumen bewachsen war. Es war fast schon makaber, eine Verhöhnung des Todes. "Da fallen mir spontan wirklich viele Momente aus meinem Leben ein, die du gerne fotografiert hättest ... "
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BeitragThema: Re: Im Focus   Sa Sep 05, 2015 4:46 pm

Es dauerte einen Augenblick, bis die junge Frau sich wieder gefangen, und ihre anfängliche Überraschung über den Gefallenen gelegt hatte. Irgendwie wunderte es sie kein bisschen, ihn hier anzutreffen. Es passte einfach. Ein gefallener Engel auf einem Friedhof. Zu gern hätte sie ihn jetzt wirklich und bewusst fotografiert, aber sie unterdrückte ihr Verlangen danach, es auch nur in Erwägung zu ziehen, ihn danach zu fragen. Was er an diesem Ort suchte, konnte sie sich auch denken. Informationen liefen eben nicht durch die Stadt und sprangen einen an, damit man sie nicht übersah. Man musste lange suchen, selbst in einem Ort, dessen Name einen direkt darauf hinwies, dass hier Schattenwesen unterwegs waren. Ironie des Schicksals, zumindest aus ihrer Sicht.
Schweigend betrachtete sie den nach wie vor irgendwie Fremden, während der seinerseits wohl ebenfalls mit den Gedanken ganz woanders war. Das gab ihr zumindest die Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob man auf einem Friedhof womöglich Antworten oder Hinweise auf Jäger finden konnte, aber sie glaubte nicht daran. Abgesehen von Gräbern und hin und wieder einem Menschen konnte sie hier nie etwas finden, außer der Einsamkeit und Ruhe. Weitere Gründe, um diesen Ort zu lieben, obwohl es wohl wirklich merkwürdig war, einen Friedhof als einen der Lieblingsplätze aufzulisten.
Ohne Elijah aus den Augen zu lassen ging Lilja einen Schritt auf das Grab zu, auf welches sie eben noch gedeutet hatte und ging in die Hocke. Sie spielte ein wenig mit den Einstellungen und der Perspektive, aus der sie fotografierte und machte ein paar Bilder. "Ja, Kontraste", wiederholte sie leise, ehe sie sich wieder erhob und ihm einen Blick zu warf. Als er dann erwähnte, dass es viele Momente gab, die sie wohl gerne fotografiert hätte, war sofort ihr Interesse geweckt. Manchmal hasste sie sich dafür, so neugierig zu sein, aber am Ende war sie zufrieden und glücklich, neue Informationen gesammelt zu haben. Ein Pluspunkt für ihn, dass er es schaffte, ihr Interesse an seiner Person zu wecken. Oder eher noch mehr zu wecken. "Ach? Ist das so?", fragte sie, versuchte dabei gleichgültig und uninteressiert zu klingen. "Welche, zum Beispiel?"
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BeitragThema: Re: Im Focus   So Sep 06, 2015 12:08 pm

Elijah beobachtete, wie Lilja sich dem Grab, welches ihnen am nächsten war, näherte und einige Fotos schoss. Er hatte es schon immer faszinierend gefunden, wie manche Leute ein so gutes Auge für gute Motive haben konnten, diese auch noch angemessen festhalten und verwerten konnte. Irgendwie war Kunst nie sein Ding gewesen - er war eher einer dieser Menschen, der gerne in Gesellschaft war und - wie sollte es anders sein - das Leben genoss. Ruhige Tätigkeiten waren nicht unbedingt seine Lieblingsbeschäftigungen, zu langweilig zu eintönig. Gut, er bewunderte gerne die Resultate von Künstlern, so wie Skylers Zeichnungen, von denen er nur eine gesehen und trotzdem beeindruckt gewesen war, oder eben gut geschossene Fotos. Aber die von Lilja hatte er bisher nicht gesehen ... Vielleicht konnte sie ihm die ja mal zeigen.
Obwohl der junge Mann nun wirklich schon viele Situationen erlebt hatte, die er gerne auf einem Foto festgehalten hätte. Manche waren schön gewesen, viele eher grausam, blutig und traurig. Doch was konnte er anderes erwarten, wenn er in den Krieg zog? Immerhin starben zu keiner anderen Zeit so viele Menschen auf einmal, manche körperlich, manche geistig. Er selbst war kurz davor gewesen. Kurz davor? Nein. Etwas war gestorben, ein Teil von ihm, den er danach hatte abstoßen müssen, um nicht daran zu Grunde zu gehen.
In Gedanken versunken starrte er noch immer auf das Bild der Blumen auf dem Grab, bis Lilja ihn mit ihrer Frage zurück in die Wirklichkeit brachte. Mit gerunzelten Augenbrauen schüttelte er den Kopf. Was war bloß heute los mit ihm? Wurde er wieder sentimental? Na super. Lag vermutlich an dieser fröhlichen Atmosphäre des Friedhofs.
"Mh ...", überlege er, wandte den Blick ab und glättete seine Züge, um seine melancholische Stimmung zu verdecken. Er hasste diese Tage. Es war einfach nur unglaublich erniedrigend so von seinen Gefühlen überwältigt zu werden. Und er hasste es, erniedrigt zu werden. Endlich hatte er sich wieder unter Kontrolle und drehte sich ruhig zu Lilja um. Aus seinen Augen sprach nun wieder die übliche Kälte und sein rechter Mundwinkel zuckte nach oben. Ein schiefes Lächeln, dass insgeheim seine leichten Schamgefühle überdeckte und das meisterhaft. Das Mädchen würde nichts merken. "Es war nach einem Einsatz im Krieg. Ich stand im Bad, oberkörperfrei. Ich war verletzt, meine Haut mit Dreck und Blut überzogen, meine Haare ebenso, überall hatte ich Schnittwunden ... Und dann schaue ich in den Spiegel und sehe meine reinweißen Flügel aus meinem Rücken ragen." Er schnaubte spöttisch. "Jaja, ich war echt dafür geschaffen ein Engel zu sein - aber eher ein Todesengel, als ein Schutzengel. Obwohl das eine das andere nicht zwangsweise ausschließt."
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BeitragThema: Re: Im Focus   So Sep 06, 2015 2:23 pm

Der Blick, der auf ihr lag, während sie sich mit dem Grab beschäftigte, konnte sie deutlich spüren und am liebsten hätte sie ihm gesagt, dass er sie nicht so anschauen soll, aber das fand sie zu unhöflich. Dennoch mochte sie es nicht, wenn man sie bei irgendwas beobachtete. Egal, was es war. Das gab ihr nur das Gefühl, dass sie Fehler machte und sie wusste nicht, ob in ihm heimlich ein Profifotograf schlummerte, der nur darauf wartete, sie und ihre Bilder zu kritisieren.
Nachdenklich betrachtete sie den jungen Mann vor sich, der tatsächlich mit den Gedanken nicht in der Gegenwart zu sein schien. Ein Teil von ihr wollte nur zu gerne die Hand ausstrecken und ihn anstupsen, nur um zu sehen, wie er reagierte, aber da sie ihm zumindest körperlich unterlegen war, egal wie man es drehte und wendete, ließ sie es bleiben. Stattdessen knipste sie ein Foto von ihm, wie er das Grab betrachtete und grinste vor sich hin. Nur zu gern wäre Lilja nun einige Schritte nach Hinten gegangen, um das Grab selbst auch mit auf das Bild zu bringen, doch das wagte sie sich nicht. Sie hoffte nur, dass er das auch nicht mitbekam, bevor am Ende noch ihre Kamera leiden musste, weil sie ungefragt Fotos von Fremden machte, was sich wirklich nicht gehörte. Sie ließ ihm auch seine Zeit, um über weiß Gott was nachzudenken und nutzte die Zeit, um sich nach weiteren Motiven umzusehen, die sie festhalten wollte, solange sie es noch mit Elijah auf dem Friedhof aushielt. Heute schien er ihr auf eine Art und Weise zumindest offener. Vielleicht bildete sie sich das auch nur ein.
Geduldig wartete sie ab, bis er wieder im hier und jetzt angekommen war , nachdem die Blondine ihn nach Beispielen gefragt hatte. Während er damit beschäftigt war, sich von ihr abzuwenden und nachzudenken, entdeckten ihre Augen eine Krähe direkt auf dem Eisentor des Friedhofes die sie beobachtete. Das Köpfchen schief gelegt musterte es die beiden Personen, die eindeutig nicht auf den Friedhof gehörten, aus ihren schwarzen, runden Augen. Der Anblick ließ sie lächeln und mit einem Klick war auch der Vogel auf die SD-Karte gebannt. Zufrieden und glücklich drehte sie sich schließlich wieder ihrem Gesprächspartner zu und lauschte seinen Worten.
Sie konnte nicht verhindern, dass sie sich das ganze bildlich vorstellte und, zumindest in ihrem Kopf, ergab das ein sehr bizarres und auf eine verdrehte Art und Weise auch schönes Bild. Jedenfalls so lange, bis sie ihn verdutzt ansah. Krieg. Beide Weltkriege lagen schon lange hinter ihnen und damit war er.. "Du bist älter als mein Heimatland?!" Sie hatte damit gerechnet, dass er älter war, aber so alt, das überraschte sogar sie. Dafür hatte er sich aber wirklich gut gehalten, immerhin sah Elijah gerade einmal wie Mitte 20 aus. Kopfschüttelnd versuchte sie diese Gedanken beiseite zu schieben, um sich wieder dem eigentlichen Thema zu widmen. Kontraste im Leben des gefallenen Engels.
"Du hast Recht, das wäre ein unglaubliches Motiv gewesen, das ich gerne festgehalten hätte. Aber danke, dass du deinen Teil zur Rettung der Welt beigetragen hast." Die junge Frau hätte ihn danach wirklich gerne mit Fragen gelöchert, über die damalige Zeit, den Krieg, sein Leben und sie wusste, dass sie sich irgendwann nicht mehr zurückhalten würde können, was sie allerdings jetzt schon bereute. Sie schätzte den Engel nicht so ein, als würde er gerne über sein Leben reden wollen, schon gar nicht mit ihr, aber das hieß ja nicht, dass sie es nicht versuchen konnte, oder?"Ich dachte immer, Engel wären genau dafür da. Die Menschheit zu schützen. Das hast du getan, vermutlich mehr, als der Rest, der lieber zugeguckt hat, als unzählige Menschen gestorben sind, statt etwas dagegen zu unternehmen." Natürlich hatte sie keine Ahnung, was Engel eigentlich den ganzen Tag so trieben, so viele von denen kannte sie schließlich nicht, aber zumindest wurde einem überall vermittelt, dass sie dazu da waren, die Menschheit zu schützen. Und das konnten sie wohl schlecht, wenn sie sich sogar zu fein dafür waren, ein bisschen dreckig zu werden. "Haben sie dich danach aus ihrem ach so exklusiven Club der weißen Flatterviecher geworfen?"
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BeitragThema: Re: Im Focus   Mo Sep 07, 2015 7:41 pm

Lilja schwieg einige Zeit, die Elijah sich erneut nahm, um seinen Gefühle und seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen. Manchmal brach da etwas in ihm aus, was er um jeden Preis unterdrücken wollte - es war der "Engel" in ihm, der dann zurück an die Oberfläche begehrte. Und das, ohne an die Konsequenzen zu denken. Immerhin war sein altes Ich gezeichnet vom Krieg, noch mehr, als sein Neues, von Verlust und Leid. Es war schwach - und für Schwächlinge hatte er nichts übrig. Er wollte - und würde! - niemals einer von ihnen sein.
Das Mädchen schien zu rechnen und er spürte ihren Schock, als ihr die Erkenntnis kam. Ein schiefes Lächeln umspielte sein Lippen, erreichte jedoch nicht seine Augen. "Kann gut sein. Woher kommst du denn?" Tatsächlich fiel ihm auf, dass er fast nichts über sie wusste. Außer, dass sie eine Wölfin war und gerne fotografierte. Aber wollte er denn überhaupt mehr über sie wissen? War sie nicht auch nur eines dieser Mädchen, eines, dass sich der unendlichen Gruppe von jungen Frauen anschloss, die er sehr kurzzeitig geliebt, man konnte den Ausdruck kaum auf die entsprechenden Situationen anwenden, und dann wieder vergessen hatte. Obwohl vergessen das falsche Wort war. Er erinnerte sich an jedes Gesicht - nicht an jeden Namen, aber das war bei der Vielfalt und Seltsamheit an Namen auch viel zu viel verlangt. Ob wohl Lilja bald auch zu ihnen gehören wird? Er hoffte es. Und war auch ziemlich überzeugt, dass es ihm gelingen würde, sie zu kriegen. Bloß die Zeit musste er sich dafür nehmen.
Aber da war er ja gerade dabei und es freut ihn sehr, dass er ihr Interesse an sich hatte wecken können. Bisher war das für ihn aber auch nie ein Problem gewesen. Immerhin hatte er dank seiner Lebensspanne einiges an Erfahrungen gemacht.
"Rettung der Welt ... Na sicher.", meinte Elijah mit einem leisen, verächtlichen Schnauben und zog eine Augenbraue hoch. "Es ist schon mehr nötig, um die Welt zu retten, als zu helfen einen Krieg zu beenden. Viel mehr." Er dachte an all die Konflikte, die zur Zeit im Gange waren, an die Krankheiten, die manchmal ganze Völker auszulöschen drohten, die zunehmende Zahl an Naturkatastrophen ... Es war wirklich unglaublich, dass die Menschen im Angesicht dieser Probleme sich auch noch gegenseitig umbrachten, anstatt sich gemeinsam einer Lösung zu nähern. Aber er hatte Menschen nie für besonders intelligent gehalten - was nicht bedeutete, dass er selbst sich für übermäßig schlau hielt. Er hatte nur eben mehr eindrückliche Erfahrungen gemacht als die meisten anderen. Demnach hielt er sein Urteilsvermögen für ... ausgeprägter. Zumindest in mancherlei Hinsichten.
Der junge Mann konnte sich nur zu gut vorstellen, dass sie gerne weiter gefragt hätte - die meisten, weniger einfühlsamen und leider meist auch weniger intelligenten Menschen taten genau das. Einerseits überraschte es ihn, dass nicht fragte, andererseits wäre er auch verwundert gewesen, wenn sie es getan hätte. Er hielt sie für neugierig - sonst wäre sie nicht auf seine Anmerkung zu Kontrasten eingegangen oder hätte im Café ihr Wesen verraten - aber sie hatte auch genug Würde, um nicht wie ein Kleinkind zu nerven. Auf jeden Fall ein Pluspunkt.
Als sie dann auf sein Lieblingsthema Engel zu sprechen kam, huschte der Hauch eines bitteren Lächelns über seine Züge, bevor sein Gesicht zu einem undurchsichtigen Ausdruck erstarrte. Er fixierte sie mit seinen kühlen Augen, bis sie geendet hatte.
"Natürlich", erwiderte er dann übertrieben feierlich und lächelte spöttisch. "Engel sind die Retter der Menschheit, ohne sie, wären wir alle verloren." Er machte eine wegwerfende Handbewegung. "Es ist nicht ganz so einfach. Du sollst die Menschen - oder wenn du einen Schutzbefohlenen hast, dann ihn - vor allem Unheil schützen. Leider ist eines der größten Unheile auf der Welt der Mensch selbst, deshalb kommt man früher oder später nicht darum herum, Menschen zu töten um andere zu beschützen. Das sehen vielleicht nicht alle so wie ich, mir wurde eine sehr lange, anstrengende Predigt darüber gehalten, wie man auch ohne Gewalt die Menschen beschützt, nicht mit zu drastischen Maßnahmen in ihr Leben eingreift … blabla und so weiter. Entweder ganz oder gar nicht, das ist meine Meinung - und als ich nach diesem Leitspruch handelte, wurde ich, du sagst es, in die dunkle Gasse gestoßen und als unwürdig abgestempelt." Er zuckte mit den Achseln und grinste betont entspannt, obwohl er, bewusst, eine Spur Bitterkeit durchschimmern ließ. "So ist das Leben. Ich kann mich nicht beschweren, mir geht’s trotzdem gut." Oder sogar besser als zuvor, fügte er gedanklich hinzu und erinnerte sich an die Sünden seines Lebens als Gefallener.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Mo Sep 07, 2015 9:29 pm

Noch immer geschockt über diese Erkenntnis, dass hier jemand vor ihr stand, der älter war, als das Land, das sie ihre geliebte Heimat nannte, sah sie ihn an und ärgerte sich darüber, dass sie so überrascht darüber war. Spätestens sein Lächeln reichte ihr, um sich zu ärgern, denn sie hatte das Gefühl, er würde sie dafür auslachen. Leise grummelte sie vor sich hin und strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht, die das Wetter und ihre Bewegungen dorthin befördert hatten. Sie wusste nicht recht, ob sie es wagen sollte, mehr Informationen über sich preiszugeben, doch da Elijah ihr gegenüber auch ein wenig offener wurde, konnte sie es wohl wagen, ihm ihre Nationalität zu verraten. "Ich..bin Finnin. Hört man normalerweise auch an meinem Namen." Obwohl das nicht besonders viele Menschen bemerkten, jedenfalls nicht die, die ihr begegnet waren. "..oder an meinem Akzent", fügte sie leiser hinzu. Nach all den Jahren an den verschiedensten Schulen war er zwar kaum noch vorhanden, doch besonders in Situationen die sie aufregten oder durcheinander brachten, hörte man deutlicher, dass die Blondine eine andere Muttersprache hatte. Wobei sie Französisch sowieso nicht besonders mochte und sich grundsätzlich lieber auf Englisch oder Deutsch unterhielt.
Auf das verächtliche Schnauben des Gefallenen reagierte sie mit einem Augenrollen. Da war sie ein Mal nett zu ihm und machte ihm beinahe sowas wie ein Kompliment, und dann kam er ihr so. Sie war fast schon ein wenig beleidigt, immerhin war es in ihren Augen eine große Leistung gewesen! Wenn er nicht wollte, dass sie nett war, ließ sie es eben bleiben. Genauso wie einen Kommentar dazu, den sie sich gerade so verkneifen konnte. "Wenn du das so siehst..", war ihre einzige Antwort darauf. Natürlich wurde die Welt nicht durch Beenden eines Krieges gerettet, aber darüber wollte sie wirklich nicht diskutieren.
Lilja gefiel es nicht, wie er sie fixierte und dabei mit einem kühlen Blick bedachte. Scheinbar gefiel ihm das Thema Engel nicht besonders, sie konnte auch verstehen, wieso. Dennoch war es ja genau genommen seine Schuld, dass sie darauf zu sprechen kamen, aber sie entschied sich, danach hoffentlich erfolgreich das Thema zu wechseln. Zu ihrer eigenen Gesundheit. Aber das hielt sie nicht davon ab, seinen Worten aufmerksam und gespannt zu lauschen. "Vielleicht ist der Grundsatz gar nicht so verkehrt", begann sie schließlich leise und verstummte wieder. Die Finnin biss sich auf die Unterlippe und dachte darüber nach, ob sie überhaupt noch reden sollte. Einerseits konnte sie die Engel verstehen, andererseits aber auch Elijah, aber sie fürchtete tatsächlich um ihren Kopf, wenn sie weiter über das Geflügel sprach. Nach einigen Augenblicken des Schweigend seufzte sie und ging hinüber zur Mauer, die sie betont interessiert begutachtete. "Ich verstehe dich", kam es schließlich irgendwann von ihr. Und das tat sie wirklich. Vielleicht war sie sogar weitesgehend seiner Meinung, aber das würde sie ihm nicht erzählen. "Es ist schön, dass es dir trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, gut geht." Ihre Worte waren ernst gemeint, es freute sie, denn trotz allem konnte sie es nicht leiden, wenn andere leiden mussten, egal auf welche Art und Weise.
Nach ihrer Auffassung war endlich Zeit für ein Themenwechsel und den wollte sie auch sogleich umsetzen. Lächelnd drehte sie sich zu Elijah um und grinste ihn beinahe schon unschuldig an, während sie ihm ihre Tasche und die Kamera mit den Worten "Halt mal!" in die Hand drückte. Da sie, im Gegensatz zu ihm, nicht fliegen konnte, musste sie eben auf andere Hilfsmittel zurückgreifen, um auch mal von oben ein paar Fotos machen zu können. Die junge Frau überprüfte die Steine der Mauer, bevor sie geschickt nach oben kletterte und von dort auf ihren Gesprächspartner herunter sah. Die Aussicht, die sie von dort genießen konnte, gefiel ihr. Felder, der Wald, graue Wolken und ein paar Streifen blauer Himmel und ein Überblick über den ganzen Friedhof. Die Fotos würden mit Sicherheit gut werden!
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BeitragThema: Re: Im Focus   Di Sep 08, 2015 4:04 pm

Sie war Finnin? Okay ... Na daher kam vermutlich das typisch nordische Aussehen, sprich, die blonden Haare, die nicht ganz so gebräunte Haut. Elijah war nie zuvor in Finnland oder einem der anderen skandinavischen Länder gewesen, hatte aber allerlei gute Dinge von ihnen gehört. Die Natur sollte zum Beispiel wunderschön sein. Nur blöd, dass er nun gerade nicht der allergrößte Naturfan war, sondern sich lieber in großen Städten herumtrieb. Aber vielleicht würde es ihn ja einmal nach Oslo, Stockholm oder Helsinki verschlagen - dann würde er auf jeden Fall an Lilja denken.
"Ich habe schon viele seltsame Namen gehört, deiner ist da noch ziemlich normal.", erwiderte er lächelnd. "Außerdem hast du doch keinen Akzent. Oder ich bemerke das nicht, aber ich bin wohl kein Maßstab." Er konnte zwar gut Französisch, aber Englisch, vor allem das Britische, würde ihm immer lieber sein. Tatsächlich liebte er den britischen Akzent, auch wenn er sonst so überzeugt von seinem eigenen Land war. Gut, auch die USA machte Fehler, aber welcher Staat konnte von sich behaupten, alles richtig zu machen?
Wo gerade noch beinahe ein freundlicher Ausdruck ihre Züge beherrscht hatte, konnte der Gefallene jetzt nur noch Unmut entdecken, welchen sie mit einem verächtlichen Schnauben und einem Augenrollen unterstrich. Anscheinend interessierte sie sich nicht unbedingt für solche Themen ... Schade eigentlich. Er hätte sich gerne mal wieder mit jemandem über weltpolitische oder wirtschaftliche Themen unterhalten. Da musste dann wohl jemand anderes herhalten. Es würden sich sicherlich noch Möglichkeiten anbieten.
Mit seinen Worten über Engel hatte er sie dann noch mehr in Bedrängnis gebracht. Sie biss sich auf die Unterlippe - ein deutliches Zeichen ihrer Unsicherheit - und schien sich kaum zu trauen, ihre Meinung dazu zu sagen. Hatte sie etwa Angst vor ihm?
Der Gedanke war ihm vorher noch nicht gekommen. Im Allgemeinen hatten zumindest Frauen keine Furcht vor ihm, aber meistens hatten sie auch keinen Anlass dazu. Wieso schien sie dann so unsicher? Wenn er jetzt so darüber nachdachte bemerkte er, dass schon bei ihrem Treffen im Café manchen ihrer Reaktionen, die er ihrer Ablehnung ihm gegenüber zugesprochen hatte, ihre Angst vor ihm zugrunde gelegen haben könnte. Aber hatte er sie bedroht? Soweit er sich erinnerte nicht. Vielleicht hatte sie ja auch so einen gehörigen Respekt vor ihm, weil sie - anders als andere Frauen - sein Wesen kannte. Dabei bin ich doch gar kein so böser gefallener Engel ... Zumindest meistens.
Elijah ließ das Thema Engel auf sich beruhen und beobachte nur stumm, wie sie ihre Tasche und ihre Kamera ihm in die Hände drückte und dann auf ein Grab kletterte. Der Gefallene hob eine Augenbraue. Normalerweise war er ja nicht so penibel, vor allem nicht, wenn es um Tod ging, aber wurde es nicht allgemein als respektlos angesehen, auf Gräbern herum zu klettern? Vielleicht ist das in Finnland ja nicht so, dachte er mit einem innerlichen Schmunzeln und beobachtete das Mädchen beim Klettern. Falls sie abrutschen sollte, war er bereit sie aufzufangen - ob ihr das nun gefallen würde oder nicht. Ein verschmitztes Lächeln stahl sich auf seine Züge, als er sich diese Situation vorstellte. Ob er wohl vielleicht etwas nachhelfen sollte, damit sie abstürzte und er sie als Retter in der Not - Es lebe das Engelstum! - auffangen konnte ...?
Er entschied sich vorerst dagegen und sah zu Lilja hoch, die nun dort oben stand und die Landschaft betrachtete. Wollte sie Fotos von oben machen? Er runzelte die Stirn. Da gab es doch bessere Varianten?
"Bist du jetzt da hoch geklettert, um Fotos von oben zu machen?", fragte er amüsiert. "Wenn dem so wäre, würde ich dir nämlich einen Vorschlag machen ... Ich könnte mich in die Lüfte schwingen und dir ein paar Fotos knipsen." Bei den letzten Worten schwang ein spöttischer Unterton mit. "Oder natürlich, ich nehme gleich dich mit nach oben. Ich vermute mal, du bist besser im fotografieren als ich."
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BeitragThema: Re: Im Focus   Di Sep 08, 2015 7:14 pm

Das Lächeln, welches Elijah ihr schenkte, ließ selbst auf ihren Lippen ein Lächeln erscheinen. Es gefiel ihr, ihn so lächeln zu sehen, es war wärmer und freundlicher, als die Male zuvor und sie hätte sich sicher an diesen Anblick gewöhnen können. "Jemand, der hundert Jahre hinter sich hat, wird wohl kaum noch etwas finden, das ihm merkwürdig erscheint, oder das ihn überraschen könnte." Zumindest glaubte sie nicht daran, dass die Welt wirklich noch etwas zu bieten hatte, das jemanden mit dem Alter und der Lebenserfahrung wirklich überraschen konnte. Und merkwürdig fand sie ihren Namen auch nicht, aber gehört hatte sie solche Aussagen dennoch oft. Dass er nicht hörte, dass sie nach wie vor einen Akzent hatte, freute die Finnin natürlich. Sie hatte auch nichts gegen ihren Akzent, im Gegenteil, sie mochte ihn, schließlich wurde nicht selten gesagt, es sei auf eine Art und Weise ziemlich süß. "Das liegt an der Sprache", klärte sie ihn auf, nach wie vor lächelnd. "Würden wir jetzt Deutsch oder Englisch reden, würde man es mehr oder weniger hören." Das waren jedenfalls ihre bisherigen Erfahrungen, die sie mit Sprachen und ihrem Akzent gemacht hatte. Aber natürlich spielte nicht selten ihre Stimmung und ihre Gefühlslage eine unwichtige Rolle dabei, wie ausgeprägt er war.
Eine für die Blonde deutlich spürbare Erleichterung machte sich in ihr breit, als der Gefallene die Themen, über die sie kurz zuvor noch gesprochen hatten, ebenfalls fallenließ. Sie hatte nichts gegen Diskussionen über politische Themen, oder Probleme damit, ihre Meinung zu sagen, aber in den meisten Fällen wusste sie ihre Gesprächspartner einzuschätzen - was bei Elijah nunmal nicht der Fall war. Nicht einmal ansatzweise und das bereitete ihr Probleme. Im Café hatte sie sich noch frei äußern können, da schützte sie die Öffentlichkeit, aber auf einem Friedhof, abgelegen von der Stadt, ohne weitere Menschen im näheren Umkreis wollte sie es nicht riskieren, ihn wirklich zu verärgern. Obwohl das Verhalten so ganz und gar nicht zu ihr passte.
Oben auf der Mauer angekommen, sah sie sich in aller Ruhe um, bevor sie sich dem Engel zuwandte, das sie bereits gefragt hatte, was sie dort machte. Lilja stemmte ihre Hände in die Hüfte und sah ihn von oben herab frech grinsend an. "Nein, mein Lieber, ich wollte lediglich größer sein als du. Und mich darauf vorbereiten, mich mit gefletschten Zähnen von hier auf dich zu stürzen." Mittlerweile war sie, aus Gewohnheit und Vorliebe für die Sprache, ins Englische gewechselt, so, wie sie es immer tat, wenn sie sich nicht in der Öffentlichkeit befand. "Natürlich will ich Fotos machen!" Was auch sonst? Sie würde doch nicht umsonst irgendwo hochklettern, wenn sie keinen Grund dazu hatte. Und dass sie keine Chance haben würde, wenn sie sich aus dieser Position auf ihn stürzte, war ihr auch bewusst. Sie wollte ihn ja nicht einmal angreifen. Den Kopf in den Nacken gelehnt blickte sie in den Himmel über sich, als sie seine Worte und das Angebot vernahm. "Danke, aber nein danke", lehnte sie nun mit einem ernsten Blick sein Angebot ab. Langsam bewegte sich ihr Kopf wieder in seine Richtung, um ihn anzusehen. "Das wäre zu hoch und außerdem brauche ich dich da unten." Nicht, dass es nicht seinen Reiz hatte, die Welt mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, doch das war im Moment nicht, was sie im Sinn hatte. Zudem vertraute sie ihm noch nicht genug, um sich irgendwo hinfliegen zu lassen. Wer wusste schon, was er damit zu bezwecken versuchte. Vielleicht wollte er nur sehen, ob viel von ihr übrig blieb, wenn sie aus hundert Meter Höhe auf dem Boden aufkam. Kurz verzog die junge Frau bei diesem Gedanken das Gesicht, doch es dauerte nur wenige Sekunden, ehe sie sich wieder im Griff hatte und Elijah anlächeln konnte. "Also, um genau zu sein, brauche ich dich da." Bei ihren Worten deutete sie auf eine Stelle einige Meter weiter weg zwischen den Gräbern. Zumindest in ihrer Vorstellung konnte das ein gutes Bild abgeben.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Do Sep 10, 2015 9:22 pm

Langsam schien endlich auch Lilja Gefallen an ihrem Gespräch zu finde. Innerlich triumphierend hörte Elijah ihr lächelnd zu, griff das Thema seines langen Lebens aber nicht noch einmal auf. Er wollte nicht unnötig viel von sich preisgeben - das hatte ihn noch nie weiter gebracht, vermutlich würde es jetzt also auch nicht von Nutzen sein. Außerdem passierte es dann nur allzu leicht, dass er wieder in eine dieser schrecklichen Depri-Phasen verfiel … Zumindest, wenn es um das Leben vor dem Krieg ging.
Schließlich war die junge Wölfin oben auf der Mauer angekommen - in Finnland war es also wohl doch kein Sport, Gräber zu besteigen. Welch eine Erleichterung. Mit so einer seltsamen Angewohnheit wäre er, auch wenn er schon so vieles gesehen hatte, vermutlich nicht ganz so gut zurechtgekommen. Außerdem passte es nicht in das Bild, welches der Gefallene von ihr hatte - nein, dafür war sie, trotz ihrer toughen Art, dann doch zu ‚brav‘. Aber gerade das an ihrer Art gefiel ihm sehr gut. Mit einem frechen Grinsen quittierte sie seine zugegebenermaßen überflüssige Frage und brachte einen ebenso frechen Spruch. Dieses Mal auf Englisch, wie ihm auffiel. Gut, dachte er und grinste in sich hinein, mal sehen, was sie von einem britischen Akzent hält. Ihm selbst zumindest gefiel dieser ziemlich gut.
„So einfach lasse ich mich in der Größe aber nicht übertrumpfen!“, erwiderte er - in Englisch - mit einem Lachen, zog den Mantel aus und warf ihn auf die Mauer. Wie alle seine Hemden und T-Shirts war auch dieses am oberen Rücken frei, sodass Elijah seine Flügel frei bewegen konnte. Er fächerte die für Lilja unsichtbaren Federgebilde auf, schlug dann ein paar Mal kräftig mit den Flügeln und hob ab. Es kostete ihn nicht viel Kraft, mit Lilja auf eine Höhe zu kommen und dann noch ein Stückchen höher zu steigen, um wieder seine Überlegenheit in der Größe zu erlangen. „Siehst du?“ Er lächelte sie verschmitzt an, verschränkte die Arme und zog eine Augenbraue hoch. „Ein Angriff wäre jetzt wohl schwierig … aber ich würde dich trotzdem gerne einmal in Wolfsgestalt sehen. Bist du dann auch so attraktiv?“ Soweit ein Wolf attraktiv sein kann, ging es ihm durch den Kopf, doch er ignorierte diesen neunmalklugen Gedanken.
Schließlich ließ er sich wieder sinken, faltete auf dem Boden angekommen die Flügel zusammen und warf sich seinen Mantel über die Schultern. Dann sah er kurz zu Lilja herüber, die inzwischen so mutig geworden war, ihm Anweisungen zu erteilen. Es wird, dachte er innerlich lächelnd, verschränkte aber nur erneut die Arme und schaute sie gespielt trotzig an. „Und wenn ich das nicht will?“, fragte er, ein halbes Lächeln auf den Lippen. „Wir könnten einen Deal machen: Du darfst die schon geschossenen Fotos von mir behalten und noch weitere machen und ich kann mir etwas wünschen.“ Bei den letzten Worten zuckte sein rechter Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln hoch und er zwinkerte Lilja spielerisch zu.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Do Sep 10, 2015 10:56 pm

Ein wenig rümpfte sie die Nase und auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Britischer Akzent, sie war nicht gerade der größte Fan davon, konnte aber damit leben, nachdem sie selbst einige Zeit in England verbracht hatte. Trotzdem wäre es ihr lieber gewesen, hätte er sich als.. Australier oder Amerikaner entpuppt. Oder ihretwegen als irgendwas anderes. Doch wer wusste schon, wo er herkam? Schließlich konnte er sich in den vergangenen 100 Jahren auch einen anderen Akzent angeeignet haben.
Neugierig beobachtete die Finnin ihren Gesprächspartner von der Mauer herab und folgte seinen Bewegungen, als er seinen Mantel auszog. Ein wenig fragend runzelte sie die Stirn, legte den Kopf schief und wartete, was weiter passieren würde. Sie hatte schon so eine Ahnung, und dennoch war sie etwas überrascht, dass er keinerlei Probleme damit hatte, sich mal eben vor ihr in die Lüfte zu erheben. Gut, er war ein Engel und es war ihm bestimmt weitaus vertrauter, als auf dem Boden herum zu laufen, doch sie hätte weiß Gott etwas tun können. Oder Jäger hätten in der Nähe sein können! Ihr war es egal, wenn man sie in ihrer Wolfsgestalt sah, war sie eben ein Wolf. Nicht mehr und nicht weniger. Aber ein fliegender Mensch fiel da schon mehr auf. Dennoch musste sie grinsen, als er mit ihr auf Augenhöhe schwebte. "Wenn nicht die Größe, gibt es sicher andere Dinge, in denen ich dich übertrumpfe!", erwiderte sie weiterhin in einem etwas frecheren Tonfall. Und sie war sich sicher, dass es ein oder zwei Sachen gab, wo sie besser war. Selbst ein Engel hatte Schwächen.
Zunächst wollte die Blondine sein Kompliment überhören, doch es gelang ihr nicht besonders gut. Sie konnte deutlich spüren, dass sie ein wenig rot wurde und ärgerte sich darüber, dass Komplimente jeder Art genau diese Wirkung bei ihr hatten. Seufzend schüttelte sie den Kopf, pustete anschließend die Haare aus ihrem Gesicht, bevor sie zu einer Antwort ansetzte. "Naja die meisten sagen eher niedlich, aber gefährlich, statt attraktiv.." Schulterzuckend sah sie zu ihm hinauf. "Ich sehe eben aus wie ein Wolf, nur weiß." Und wie ein Wolf aussah, musste sie ihm sicher nicht noch erklären. Dennoch wollte sie seinem "Wunsch" nachkommen und wartete, bis er wieder auf dem Boden angelangt war. Für einen Augenblick schloss die junge Frau ihre Augen und konzentrierte sich. Kurze Zeit später saß sie als Wolf auf der Mauer, den Kopf wieder schief gelegt, die weißen plüschigen Ohren gespitzt und ihre Augen auf den Engel gerichtet. Wäre Skyler in dem Moment in der Nähe gewesen, hätte sie sie für niedlich befunden, besonders bei ihrem Blick, aber zum Glück war die Elfe nicht einmal in der Nähe. Lilja hielt prüfend ihre Nase in den Wind, während ihre Ohren zuckten und sämtliche Geräusche aus den verschiedensten Richtungen nachgehen wollten. Niemand war in der unmittelbaren Nähe und im Umkreis von 5 Kilometern konnte sie keine Menschen ausmachen, die sich in ihre Richtung bewegten, also konnte sie sich beruhigt weiter mit dem Engel beschäftigen. Genauso schnell wie er wieder auf dem Boden gelandet war, saß sie auch schon wieder als Mensch vor ihm auf der Mauer und sah ihn mit demselben neugierigen Blick an wie zuvor. "Zufrieden?", fragte sie, nicht ohne ein Schmunzeln. Lil hatte nie etwas gegen ihre Wolfsgestalt, dennoch war sie meistens vorsichtig, wem sie sich so zeigte. Aber der Gefallene wusste ihren Namen, dass sie aus Finnland kam und auf welche Schule sie ging - damit hatte er sowieso schon genug Informationen über sie, da machte es den Kohl auch nicht mehr fett, sich als Wolf zu zeigen.
"Und wenn ich das nicht will?" Ja, was dann? Dann hatte er Pech, ganz einfach! Oder wohl eher sie, denn dann konnte sie nur den Friedhof fotografieren. Natürlich war der ebenfalls ein ausgezeichnetes Motiv, aber schon seit dem Café ließ Elijah ihr als Motiv keine Ruhe mehr. Dennoch setzte sie ein Lächeln auf und gab sich gleichgültig. "Dann halt nicht. Und wer sagt, dass ich schon Fotos von dir gemacht habe?" Sie würde garantiert nicht zugeben, dass sie bereits ein paar Bilder von dem Gefallenen hatte, obwohl er es natürlich sowieso wusste. "Hm..", begann sie, nun deutlich nachdenklicher und vielleicht auch ein wenig zurückhaltender als vorher, "kommt auf deinen Wunsch an." Wenn er jetzt sonst was verlange, würde sie lieber de Fotos löschen, als sich auf irgendwas einlassen, worauf sie keine Lust hatte. "Quid pro quo. Yes or no?", murmelte sie leise vor sich hin. Ein Zitat aus ihrem Lieblingsbuch und Film, das Schweigen der Lämmer, das ihrer Meinung nach gut zur Situation passte. Sie gaben bisher abwechselnd Informationen von sich preis.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Fr Sep 11, 2015 9:18 am

"Und die wären zum Beispiel ...?", fragte Elijah provokant und selbstsicher lächelnd, als Lilja meinte, sie würde ihn sicher in einigen anderen Dingen übertrumpfen. Es gefiel ihm, dass sie ihm etwas entgegensetzten, dass sie ihm widersprach und sich nicht einfach peinlich berührt zurückzog. Frauen, die sich zu wehren wussten, hatten ihm schon immer besonders gefallen, auch wenn er sich manchmal auch nur mit attraktiven Dummchen begnügte. Solche waren dann nur für eine Nacht - nicht mehr. Aber Lilja ... Da konnte er sich sogar eine längere Affäre vorstellen ...
Wieder schien sein Kompliment die gewünschte Wirkung nicht zu verfehlen, denn eine leichte Röte zeigte sich in den Wangen der jungen Finnin. Es war aber auch eine sehr direktes Kompliment gewesen, nicht so gut verpackt, wie es ihm manchmal gelang. Er zweifelte auch nicht daran, dass Lilja auch verstecktere Komplimente verstehen würde, nur hatte sie ihm noch keine gute Vorlage geliefert. Was nicht ist, kann ja noch werden.
"Niedlich ... Aber bestimmt nur so lange du nicht die Krallen ausfährst.", meinte er leise lächelnd und versuchte sich einen weißen Wolf mit ihren Augen vorzustellen. Ein seltsamer, aber exotischer Anblick ... Und keinesfalls ein unangenehmer Anblick. Er hätte sie sogar - auch wenn er sie nicht bewusst dazu bringen wollte - gerne mal in Aktion gesehen, mit gefletschten Zähnen und bereit zum Angriff. Diese Vorstellung schickte einen leichte Welle der Erregung durch seinen Körper. Elijah liebte es, Adrenalin durch seinen Körper pulsieren zu fühlen und in einer solchen Situation würde das bestimmt nicht ausbleiben.
Der Gefallene war gerade auf dem angekommen, da schien plötzlich eine Spannung in der Luft zu liegen. Lilja begann sich zu verändern, bis sie als weißer Wolf auf der Mauer kauerte und ihn mit gespitzten Ohren ansah. Nun zeigte sich doch etwas wie Überraschung und Staunen in Elijahs Gesicht. Einen Wolfswandler hatte er noch nie in Aktion gesehen, dafür hatte er die Gesellschaft von Schattenwesen bisher zu sehr gemieden oder sie zumindest nicht gesucht.
"Du siehst wirklich unglaublich niedlich aus.", meinte er mit einem faszinierten Lächeln und betrachtete sie eingehend. So ein schönes Tier ... Lilja war in ihrer Wolfsgestalt genauso hübsch wie als Mädchen. Er machte einen Schritt auf sie zu, streckte die Hand aus und berührte ihr Fell am Hals. Nur kurz, um sie nicht zu verunsichern. Im nächsten Moment war der Gefallene froh, seine Hand schon wieder zurück gezogen zu haben - ansonsten hätte er sie wohl irgendwo angefasst, wo sie seine Hand nicht willkommen geheißen hätte, denn schon war sie wieder ganz Mensch. Einerseits schade, andererseits gut, dass er sich so schnell zusammen gerissen hatte. Elijah trat zurück, lächelte sie versonnen an und schwieg einen Moment, ehe er auf ihre Frage "Zufrieden?" hin mit einem schelmischen Ausdruck im Gesicht nickte.
Okay ... Und schon wieder merkte er, dass sie ihm ganz und gar nicht über den Weg traute. Gut, er war als Gefallener vielleicht auch nicht die vertrauenswürdigste Person auf diesem Planeten, aber hatte er ihr etwas getan? Nein. Aber vermutlich traute sie vor allem seinem 'Bad Boy' Image nicht über den Weg und dachte, er würde von ihr sexuelle Gegenleistungen einfordern. Zugegeben ... das hatte seinen Reiz, aber er hatte noch genug Anstand, um nicht so weit zu gehen.
"Erstmal: Ich weiß genauso gut wie du, dass du schon Fotos von mir gemacht hast." Naja, er vermutete es, denn sie hatte sie Kamera aktiviert gehabt, als sie den Friedhof betrat. "Und mein Wunsch ist keinesfalls so dreckig, wie du es vermutlich denkst." Er schnaubte leise, lächelte dann aber wieder frech. "Mh ... ein Date mit dir? Wir könnten mal abends zusammen in den Club gehen, ins Kino ... wohin du willst." Elijah setzte sein unschuldigstes Gesicht auf. "Du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Auch wenn ich eher zu den Bösen gehöre, würde ich einer Frau nichts tun oder sie zu etwas zwingen, dass sie nicht will." Außer natürlich sie verdient meine Freundlichkeit nicht, dachte er. Aber Lilja verdiente seinen Respekt und seine Freundlichkeit allemal.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Fr Sep 11, 2015 3:22 pm

Elijah versuchte sie ganz offensichtlich zu provozieren und in den meisten anderen Fällen wäre sie gar nicht erst darauf eingegangen. Doch hier ging es lediglich darum, was sie besser konnte und es würde sicher nicht in einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen den beiden enden, daher wollte sie darauf eingehen. Ebenso selbstsicher lächelnd wie er, erwiderte sie fast ein wenig belustigt seinen Blick. "Schach", antwortete die Blondine ohne zu zögern. "Oder vielleicht Bogenschießen" In beiden Dingen war sie sich sicher, besser zu sein und ihr wären bestimmt noch ein paar weitere Beispiele eingefallen, doch sie beließ es vorerst dabei. So wie sie den Gefallenen einschätzte, würde er nicht locker lassen und sie besser kennenlernen wollen, dann würde sich mit der Zeit zeigen, worin sie besser war. Oder worin er besser war, als sie.
"Ich fahre meine Krallen nicht aus." Schließlich war sie keine Katze, sondern ein Wolf. "Ich blecke höchstens die Zähne." Doch meistens musste es gar nicht erst so weit kommen, viele hatten auch so ihren Respekt vor der Wölfin, spätestens wenn sie zu knurren begann. Ein Wolf war und blieb nun mal ein gefährliches Raubtier, selbst wenn sie sich nicht so gab, steckte es in ihr und das war nicht selten gefährlicher, als man annahm. Sie brauchte auch keine speziellen Fähigkeiten, im Gegensatz zu anderen Wesen.
Ein belustigter Ausdruck zeigte sich in den Augen der Wölfin, als sie seine Reaktion auf ihre Wandlung und Gestalt sehen konnte. Sie hatte ihn überrascht, obwohl sie kurz zuvor davon ausgegangen war, dass es nichts mehr gab, was ihn überraschen konnte. Das war eindeutig ein Punkt für sie, hätten sie seit dem Café angefangen, Punkte zu zählen. Sie hätte sogar fast gegrinst, doch das käme in ihrer Wolfsgestalt eher dem Fletschen ihrer Zähne gleich und kaum etwas lag ihr in dem Moment ferner, als Elijah zu drohen. Das änderte sich jedoch, als er erwähnte, sie würde "wirklich unglaublich niedlich" aussehen. Missmutig brummte sie bei der Bemerkung für einen kurzen Moment. Sie war nicht niedlich. Sie war ein gefährliches Raubtier, das ihn in wenigen Sekunden hätte töten können und damit alles andere als niedlich, aber gegen seine Meinung konnte sie so oder so nichts machen, also ließ sie es sein.
Weiterhin neugierig beobachtete sie den Dunkelhaarigen, während er sogar einen Schritt auf das weiße Tier zuging und die Hand nach ihr ausstreckte. Will er etwa..? Er wollte und tat es tatsächlich. Überrascht wäre sie fast vor der Berührung zurückgezuckt, konnte sich aber im letzten Moment bremsen und ließ den Gefallenen gewähren. In dem Augenblick war sie froh nicht als Mensch vor ihm zu sitzen. Ein Schauer jagte durch ihren Körper, sobald seine Finger ihr Fell berührten und als Mensch hätte sie garantiert eine Gänsehaut bekommen. Obwohl es ihr gefiel und sie diese wenige Sekunden sogar ein wenig genoss wollte sie so schnell wie Möglich wieder eine gewisse Distanz zwischen den beiden schaffen, was sie auch tat, indem sie sich einfach wieder zurückverwandelte.
"Gut", erwiderte Lilja als er ihre Frage mit einem Nicken beantwortete. Noch einmal würde er sie vermutlich nicht so zu Gesicht bekommen, da war es nur gut, wenn er zufrieden war.
Das Lächeln auf ihren Lippen schwand für wenige Sekunden. Okay, er wusste wohl tatsächlich, dass sie ihn bereits fotografiert hatte, aber anfangs wusste sie nicht einmal, dass es der Engel gewesen war! Und das konnte er ihr wohl kaum anlasten. Dennoch wich sie seinem kurzzeitig Blick aus, eine Bestätigung ihrerseits, dass sie Fotos hatte und in ihrem Kopf nicht gerade Dinge wie "Spaziergang im Sonnenuntergang" oder "Picknick im Park" als mögliche Wünsche seinerseits auftauchten. Aber als er ein Date vorschlug, war sie sichtlich verblüfft. "Ein Date?", wiederholte die Finnin seine Worte, musterte ihn dabei skeptisch und mit gerunzelter Strin. "Ein richtiges Date?!" Ein Teil von ihr stöhnte genervt auf und schrie ihr geradezu Nein, ein falsches, was sonst? entgegen, aber sie ignorierte diese Stimme. "Ich habe keine Angst vor dir, nur ein Problem damit, dich und deine Taten einzuschätzen." Und das entsprach wenigstens zum Teil der Wahrheit. Natürlich hatte sie auch ein bisschen Angst, nur ein ganz kleines bisschen, es war kaum der Rede wert, aber hauptsächlich begründet auf der Tatsache, dass sie keine Ahnung hatte, wie er sich im nächsten Moment verhalten würde, oder weshalb er sich verhielt, wie er sich verhielt. "Nenn mir nur drei gute Gründe, warum du ausgerechnet ein Date mit mir haben wollen würdest und wieso ich zusagen sollte", verlangte sie und verschränkte die Arme. Vielleicht, aber nur vielleicht, würde sie dann zusagen. Sofern ihm überhaupt drei Gründe einfielen..
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BeitragThema: Re: Im Focus   Fr Sep 11, 2015 7:51 pm

„Schach und Bogenschießen?“ Elijahs Augen funkelten belustig, ehe er in einer beinahe ergebenen Geste den Kopf senkte. „Da hast du sogar Recht - aber dafür bin ich ein begnadeter Pokerspieler und kann mit so ziemlich jeder Art von Schusswaffe umgehen.“ Er zwinkerte ihr zu, nun wieder so selbstsicher wie eh und je. „Außerdem kann ich dir so viel über Wirtschaftstheorien und Ähnliches erzählen wie vermutlich kein anderer. Also falls du mal Wirtschaft studieren wollen solltest - frag mich.“
Natürlich musste sie ihn aber sogleich berichtigen, als er anstatt „Zähne blecken“ zu sagen sich des Ausdrucks „Krallen ausfahren“ bediente. Er verdrehte leicht die Augen und lächelte sie nun beinahe überheblich an, auch wenn sein Ausdruck noch immer von Belustigung und Neugierde beherrscht wurde. „Das war im übertragenden Sinne gemeint. Natürlich können nur Katzenartige ihre Krallen ein- und ausfahren. Das weiß sogar ich gerade noch so.“ Er zwinkerte ihr zu, um der Situation die Spannung zu nehmen auch wenn er sich ehrlich gesagt nicht sicher war, ob das wirklich gelingen würde.
Hätte er sie doch noch länger berühren sollen? Kurz hatte der Gefallene das Gefühl gehabt, die Streicheleinheit hätte Lilja gefallen … Aber gleich darauf rutschte sie ein wenig weiter von ihm weg, was ihn dann doch darin bestätigte, dass sie Angst vor ihm hatte. Oder zumindest traute sie ihm nicht soweit über den Weg, um ihn sie berühren zu lassen. Kein Wunder - er war schon ein kleiner Player, suchte sich immer wieder neue Mädchen aus und band sich nur sehr ungern. Aber trotzdem hätte er sie gerne der Liste seiner Eroberungen hinzugefügt. Wirklich zu gerne. Sie faszinierte ihn einfach und er wusste nicht einmal genau, wieso eigentlich.
Oh Shit. Sie dachte ja wirklich noch schlechter von ihm, als er es sich gedacht hatte. Ihre Verblüffung konnte er geradezu riechen, als er ein Date als Gegeneinsatz vorschlug … Nun ja, dann hatte er sich das Bad Boy Image wirklich vollkommen einverleibt. Aber so schlimm war das ja auch nicht - immerhin hatte es ihm bisher nur Gutes gebracht, denn bei den meisten Frauen kam er wirklich sehr gut an. Er merkte auch, dass er Lilja gefiel, sie sich aber gegen dieses Gefühl wehrte. Ihr Verstand sagte ihr vermutlich, sie solle die Finger von etwas so Unbeständigem wie ihm lassen, sich lieber einen ruhigen, normalen Freund suchen. Aber Elijah wusste auch zu gut, dass Frauen - vor allem junge - das Abenteuer liebten. Und das hatte er bisher immer schamlos ausgenutzt.
„Ja, du hast richtig gehört - ich habe keine schweinischen Phantasien vor Augen. Nur ein ganz normales Date.“, sagte er lächelnd und legte den Kopf schräg. „Ich muss ja echt einen tollen Eindruck auf die gemacht haben, dass du so von mir denkst. Obwohl du vielleicht in gewissen Hinsichten vermutlich von der Wahrheit nicht zu sehr entfernt bist …“ Er schüttelte den Kopf. „Egal. Alles, was ich als ‚Gegenleistung‘ fordere, ist ein Date. Nichts weiter.“ Er bedachte sie mit einem nachdenklichen Blick, blinzelte und sah von ihr weg. Normalerweise gehörte Mädchen wie Lilja, die eher ordentlich und gesittet waren, nicht zu seinem Beuteschema. Aber irgendwie hatte sie es ihm angetan und jetzt hatte er den Ehrgeiz, sie zu erobern. Wenn auch nur für eine Nacht.
Doch so leicht würde dem Gefallenen das wohl nicht gelingen. Er schnaubte leise, als sie Gründe von ihm verlangte und lachte dann kurz auf.
„Du würdest überrascht sein, wie viele Gründe ich dir nennen könnte. Erstmal wieso ich mit dir ausgehen möchte …“ Er schlenderte hinüber zu einem Grab und fuhr mit seinen Fingen über den rauen Stein. „Erstens siehst du sehr gut aus, zweitens bist du alles andere als dumm, drittens lässt du dich nicht so leicht unterkriegen, was mir bei Mädchen sehr gut gefällt, viertens möchte ich dich näher kennenlernen …“ Leiser werdend wandte er sich zu ihr um und betrachtete sie. „Und wieso du mit mir ausgehen solltest ist ja wohl offensichtlich.“ Er lächelte sie verschmitzt an und gab ihr mit einem Zwinkern zu verstehen, dass sie diese Aussage nicht allzu Ernst nehmen sollte. „Nein … Vielleicht möchtest du mich zum Beispiel auch näher kennenlernen, du kriegst ein schickes Abendessen, einen Kino- oder Clubbesuch gratis … und nicht zuletzt kriegst du die Fotos.“ Wieder ein Zwinkern. Gott, das nahm ja fast manische Züge an, er musste sich das schleunigst abgewöhnen.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Fr Sep 11, 2015 9:13 pm

"Jeder Mensch braucht Hobbies", erwiderte sie sowohl grinsend, als auch schulterzuckend. Und sie sich konnte schließlich nicht ihr ganzes Leben lang in Büchern verkriechen, auch wenn sie es gerne getan hätte. "Poker? Da würde ich sogar noch mitspielen, aber deine Waffen kannst du gerne behalten." Ihre Schwäche für Glücksspiele, Wetten und Rätsel machte sich wieder einmal bemerkbar, aber sie konnte einfach nicht anders.
Als er dann weitersprach und das auch noch von Wirtschaft, verzog sie das Gesicht. Das war wirklich absolut nicht ihr Gebiet und würde es auch nicht sein. Sobald es auch nur ansatzweise an Mathe und Zahlen ging, war bei ihr jede Hoffnung verloren. "Nein, danke." Mit einem entschuldigenden Lächeln lehnte sie sein freundliches Angebot ab. Was sie studieren wollte, hatte nichts mit Wirtschaft zu tun. "Du wärst hilfreicher wenn du Psychologie studiert hättest." Oder vielleicht Geschichte. Ganz sicher war sie sich noch nicht, aber je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr reizte sie ein Psychologiestudium.
Sie wusste genau, was Elijah eigentlich gemeint hatte, aber sie konnte es nicht lassen, ihn in diesem Punkt zu korrigieren, auch wenn es ihr danach fast schon Leid tat. Immerhin unterstellte sie ihm indirekt Unwissenheit über einfache anatomische Merkmale verschiedener Säugetiere, die vermutlich jedes Kind kannte und das wollte sie nicht. Lächelnd tat sie das Thema einfach ab, indem sie nichts mehr erwiderte.
Die Blondine lachte bei der Behauptung des Gefallenen kurz laut auf, schlug sich daraufhin aber die Hand vor den Mund und kicherte nur noch. "Tut mir Leid", murmelte sie. Keine schweinischen Fantasien vor Augen. Als ob sie das glauben konnte. Noch immer grinsend schüttelte sie den Kopf und versuchte ernster zu werden. "Ich habe schon viele Typen wie dich gesehen. Attraktiv, intelligent, charmant.. Und alle hatten nur ein Ziel: Die Frauen ins Bett kriegen, davon so viele wie möglich und alle nur für eine Nacht." Hatte sie eben noch gelacht, war in ihrer Stimme nun ein ernster Ton und Lilja schüttelte etwas den Kopf. "Und ich habe allen genau das Gleiche gesagt: Dass ich nicht daran interessiert bin, mit ihnen auszugehen. Ich bin mehr wert als eine Nacht, ich will nicht eine von vielen sein und das werde ich auch nicht." Sie meinte ihre kleine Ansprache auch vollkommen ernst. Sie war eben kein Betthäschen und sie wollte sich nicht auf das Niveau eines begeben, dennoch ließ der Dunkelhaarige ihr eigentlich keine andere Wahl als zuzusagen, besonders als er anfing Gründe aufzuzählen, wieso er überhaupt mit ihr ausgehen wollte. Ihre blauen Augen folgten ihm, als er zum Grab hinüber schlenderte und dabei redete. Jedes Kompliment verfehlte nicht seine Wirkung, auch wenn sie es diesmal schaffte, nicht sofort rot zu werden, worauf die Finnin wirklich stolz sein konnte.
"Nun", begann sie leise und schenkte ihm ein ehrliches Lächeln, "dann nehme ich das Abendessen." Es würde sie schon nicht umbringen, ein mal nachzugeben und sich auf ein Date einzulassen. Und ein Essen konnte ja nicht schaden. Dass ihr auch sofort ein geeignetes Outfit in den Kopf schoss, verdrängte sie mehr oder weniger erfolgreich, musste jedoch wieder grinsen. Ihretwegen konnten sie danach auch noch irgendwo was trinken gehen, sofern sie ihn nicht schon beim Essen in die Flucht schlug.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Mo Sep 14, 2015 5:16 pm

„Na dann könnten wir auch mal zusammen Pokern gehen.“, schlug Elijah lächelnd vor und betrachtete sie forschend. „Oder … Darfst du denn überhaupt schon ins Casino?“ Ihm war klar, dass sie diese Frage als Beleidigung ansehen konnte, ebenso gut aber auch als Kompliment. Eigentlich schätzte er sie so ein, dass sie sich ihres Alters und Aussehens nicht schämte - aber er konnte natürlich nicht sicher sein. Trotzdem, er konnte nicht jedes seiner Worte auf die Goldwage legen. Höflichkeit hin oder her, das war nun auch ihm zu viel verlangt.
Genau das dachte der Gefallene auch, als sie bei seinen Worten über Wirtschaft sofort eine Grimasse zog. Anscheinend war sie nicht so der Typ für solche Dinge, aber es konnten ja auch nicht jedem die Naturwissenschaften liegen oder eben andere Fächerbereiche. Aber das sie sich für Psychologie interessierte war auch nicht so schlecht … „Psychologie? Mh, da kann ich dir vielleicht auch etwas drüber erzählen, immerhin habe ich inzwischen relativ viele Menschen kennengelernt - und ich habe erst kürzlich ein Psychologiestudium in London abgeschlossen.“ Er lächelte. „Das ist der Vorteil daran, nicht am Alter sterben zu können … Du kannst all das ausprobieren, was dir in den Sinn kommt.“ Auch wenn einem leider manchmal auch Dinge in den Sinn kommen, nach deren Durchführung man feststellt, was für eine dämliche Idee das war.
Ihr Lachen lockerte die Stimmung nun endlich wieder auf - soweit das auf einem Friedhof eben auch möglich war - und bei ihren folgenden Worten konnte Elijah nicht anders, als ebenfalls zu lachen. Sie hatte ihm soeben gleich mehrere Komplimente gemacht, sie aber kurz darauf wieder abgedämpft. Aber immerhin - sie fand ihn attraktiv und charmant. Das war doch schon mal etwas. Doch ihre Frage brachte ihn auch in eine Zwickmühle … Was sollte er jetzt dazu sagen? Sie hatte den Nagel eigentlich auf den Kopf getroffen, denn ihre Worte gaben ziemlich genau seine Einstellung wieder. Ihr das jetzt zu sagen wäre jedoch garantiert kontraproduktiv … Andererseits war Elijah zwar ein guter Lügner und zog daraus auch meistens seine Vorteile, aber im Allgemeinen war ihm Ehrlichkeit lieber.
„Was soll ich jetzt dazu sagen …?“, überlegte er laut, betrachtete sie und wiegte langsam den Kopf hin und her. Sein Lächeln war verschwunden und hatte einer nachdenklichen Miene Platz gemacht. „Erst einmal: Es freut mich, dass du mich attraktiv und charmant findest.“ Jetzt lächelte er doch für einen kurzen Augenblick, wurde dann aber wieder ernster. „Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich niemals Frauen nur mit dem Ziel angesprochen hätte, ein bisschen Spaß zu haben. Aber das ist nicht immer so, immerhin kommt das ganz auf meine Stimmung, meine Situation und natürlich auf die Frau an.“ Seine Augen blickten ernst, fixierten Lilja, hielten ihren Blick fest. Keine verräterische Gefühlsregung ließ sich in ihnen erkennen - wie fast immer. Das blieb auch so, als die junge Frau fortfuhr. Elijah nickte leicht und bedächtig und schwieg einen Moment, ehe er zu seiner Antwort ansetzte. „Du wirst es nicht glauben, aber ich denke auch, dass du keines von diesen One-Nigh-Stand-Mädchen bist. Dafür bist du zu … kratzbürstig.“, erwiderte er und lächelnd entschuldigend. „Und das meine ich nicht einmal negativ - ich mag es, wenn Leute nicht gleich kuschen, sondern auch mal ihre Meinung sagen und mir Kontra geben. Das macht ja eine Konversation erst so interessant. Genau deshalb passt so eine Kurz-Beziehung auch nicht zu dir. Ich hätte mich auch nicht um deine Aufmerksamkeit und Sympathie bemüht, hätte ich nur eine Nacht Spaß haben wollen.“
Stimmte das? Er wusste es selber nicht mehr. Eigentlich war er nicht der Typ für Beziehungen, aber sie war doch sehr interessant und er konnte es einfach nicht lassen, weiter um ihre Sympathie zu buhlen. Das lag ihm vermutlich inzwischen so sehr im Blut, dass er es einfach nicht mehr abstellen konnte. Aber vielleicht - in diesem Falle war das ein sehr, sehr großes Vielleicht - würde er sich ja sogar doch mal auf eine längere Beziehung einlassen. Immerhin würde sie sowieso immer älter werden, während er so blieb, wie er war. Das würde sie letztendlich - sollte es überhaupt soweit kommen, was er stark bezweifelte - sowieso auseinander treiben. Und danach konnte er ja sein Leben wieder vollkommen ausleben.
Ohne sich diese Gedanken anmerken zulassen, lächelte er ehrlich erfreut über Liljas Zusage.
„Sehr schön. Wann würde dir das denn passen?“


OUT: Sry, war viel unterwegs!
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BeitragThema: Re: Im Focus   Mo Sep 14, 2015 8:23 pm

Out: Macht doch nichts! Very Happy

"Willst du dir das wirklich antun?", fragte sie ihn mit einem breiten Grinsen im Gesicht. "Du wirst am Ende nicht gut dastehen, mein Lieber!" Bei der indirekten Frage nach ihrem Alter hoben sich die Augenbrauen der jungen Frau. Ein halb belustigter und halb zweifelnder Ausdruck trat in ihr Gesicht, während sie ihn einige Sekunden wortlos betrachtete. "Keine Sorge, ich bin in fast jedem Land bereits volljährig und darf sogar alleine Autofahren. Und selbst wenn nicht, gäbe es immer Mittel und Wege." Als würde sie so etwas banales wie ihr Alter daran hindern, das zu bekommen, was sie wollte. In den meisten Fällen aber hatte man sie auch vor ihrem letzten Geburtstag gewähren lassen. Als Frau konnte es dann doch hilfreich sein, ein wenig Make-Up zu besitzen. Sie war sogar fast versucht, dem Gefallenen ihren Ausweis, oder ihren Führerschein unter die Nase zu halten, nur damit er sich selbst davon überzeugen konnte, aber das fand sie doch ein wenig übertrieben.
"Ja, Psychologie.. Die menschliche Psyche fasziniert mich, ich beobachte gerne die Leute um mich herum und analysiere sie. Ich will wissen was sie denken, aus welchen Gründen sie handeln, was sie wollen.. Außerdem mag ich den Gedanken, vielleicht ein paar von ihnen zu helfen.." Ihr Lächeln schwankte, als er erwähnte, er hätte rein zufällig sogar auch Psychologie studiert und das vor scheinbar nicht allzu langer Zeit. Als hätte es etwas unpassenderes für sie geben können, als einen Typen, der sie bereits im Café angefangen hatte zu analysieren. "Falls ich dich brauchen sollte, werde ich es dich wissen lassen", erwiderte Lilja schließlich, bevor ihr etwas anderes durch den Kopf ging. "Was hast du sonst noch studiert?" Ja, der Vorteil, wenn man nicht sterblich war, lag auf der Hand. Und sie selbst hätte so viele Ideen, was sie mit den ersten 100 Jahren ihres Lebens hätte anfangen können, aber tja, sie war nun mal nicht eines der supertollen nahezu unsterblichen Wesen, die alles mögliche aus ihrem Leben machen konnten. Andererseits hatte das bestimmt auch einige Nachteile.. Man musste sich ständig neu erfinden, man sah diejenigen die man liebte jedes Mal aufs Neue sterben..
Mittlerweile war das Lächeln der Blondine nahezu verschwunden und als sie bemerkte, dass Elijahs eben noch gute Stimmung ebenfalls etwas ins negative und nachdenkliche kippte, war ihr klar, dass sie genau ins Schwarze getroffen hatte. So war das eben meistens mit den Männern, da gab es nur zwei Möglichkeiten: Richtig liegen, oder total daneben. Aber dafür waren die Anzeichen zu eindeutig gewesen. Sie hatte nach wie vor den Kopf schief gelegt, stützte sich mit den Händen an der Mauer ab und wippte mit den Füßen auf und ab. Irgendwie sah sie damit sicher aus wie ein kleines Mädchen, aber das war ihr in dem Moment auch egal. Beinahe hätte sie 'Wie wär's mit der Wahrheit?' gesagt, aber seine Frage war natürlich nur rein rhetorischer Natur. Deshalb wartete sie schweigend, bis der Engel ausgesprochen hatte. "Naja, das bist du doch auch", meinte sie leiste und mit einem flüchtigen Lächeln. Schließlich war er ein attraktiver, charmanter und intelligenter Kerl - sonst hätte sie sich nicht länger als nötig mit ihm beschäftigt.
Nach seiner Erklärung nickte sie und schwieg, immerhin war es nur eine Bestätigung von dem, was sie bereits glaubte und wusste. Allerdings verübelte sie ihm sein Verhalten Frauen gegenüber nicht, er war schließlich ein Mann und würde wohl niemals sterben, was hätte er sonst tun sollen, außer sich gelegentlich durch die Weltgeschichte zu schlafen? Als er dann weitersprach, hörte sie aufmerksam zu, lächelte sogar bei dem Wort "kratzbürstig" für einen Augenblick. Sie hätte sich selbst zwar eher als eigensinnig bezeichnet, aber er hatte wohl recht. Bei dem letzten Satz des Dunkelhaarigen konnte sie nichts gegen das kurze Zucken ihrer Mundwinkel tun. Es freute sie, dass sie in seinen Augen nicht mehr als irgendein Mädchen für eine Nacht war, auch wenn sie nicht wusste, oder sich gar nicht vorstellen wollte, was das am Ende sonst geben würde. Im "besten" Fall hatten sie einen netten Abend und ja, was dann? In Gedanken versunken fuhr sie sich erst mit einer Hand über die Augen, ehe sie die Arme locker vor der Brust verschränkte. Erst dann fiel ihr ein, dass es vielleicht nicht verkehrt wäre, zu antworten. "Schön zu wissen, dass wir uns da einig sind und du mich noch nicht abschreckend, sondern interessant findest." Sie meinte das auch so. Es war immer gut für eine Frau, wenn ein Mann ihr zustimmte, dass sie mehr wert war, als "der Rest", aber das stimmte sie in erster Linie nachdenklich. Dennoch ließ es sie lächeln, aus Freude über das Gesagte und die indirekten Komplimente, die er Lilja damit machte.
"Wie wär's mit Freitag?", schlug sie vor. Soweit sie sich erinnern konnte, stand da jedenfalls nichts für sie an, was sie nicht hätte auch absagen können, falls sie doch verplant war.
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BeitragThema: Re: Im Focus   Sa Sep 26, 2015 10:25 am

"Ach, ich bringe dir schon bei, wie man gut pokert.", erwiderte er selbstsicher lächelnd und setzte dann seine übliche, unergründlich Miene auf. Bisher hatte niemand es geschafft, diesen Ausdruck zu durchschauen und seine aktuellen, wahren Gefühle zu erkennen. "Lektion 1: Lass dir niemals anmerken, was du denkst und fühlst." Von einem auf den anderen Augenblick lockerte sich seine Miene wieder und ein herausforderndes Lächeln umspielte seine Lippen und dessen Wärme erreichte sogar beinahe seine Augen. "Denkst du, das kriegst du hin?"
Die Frage nach ihrem Alter nahm Lilja recht gelassen hin, auch wenn ihr Gesicht neben Belustigung auch Zweifel zeigte, während sie ihn auf eine Antwort warten ließ. Als die junge Finnin ihm dann schließlich mit beinahe ironischem Unterton antwortete, schürzte er die Lippen und tat, als wieder er wie ein feiner Herr applaudieren. Dabei neigte Elijah leicht Oberkörper und Kopf nach vorne, sah aber nach wenigen Sekunden wieder mit schalkhaft glitzernden Augen zu ihr auf. "Das nenne ich mal rebellische Gedanken.", stichelte er und richtete sie wieder zu seiner vollen Größe auf. Er selbst kannte sich nur zu gut mit dem Umgehen von Regeln oder Vorschriften aus - als Unsterblicher hatte er beispielsweise ständig Todes- oder Geburtsurkunden fälschen müssen, wenn er sich neue Identitäten zugelegt hatte.
"Mh", überlegte er laut und betrachtete sie eingehend. Psychologie war nicht sein Lieblingsstudium gewesen - er hatte sich davon Vorteile beim Abschließen von Geschäften und ihm Pokern erhofft. Aber vermutlich hatte Lilja ihn dann ebenfalls schon analysiert - was sie wohl herausgefunden hatte ...?
"Und, bist du aus mir schlau geworden?"
Sie würde es ihn wissen lassen, wenn sie Hilfe brauchte? Elijah konnte nicht anders, als bei diesen Worten zu grinsen und seine Fantasie spielen zu lassen. Er würde ihr gerne jegliche Art von Hilfe anbieten - aber vermutlich würde sie versuchen, ihm die Kehle aufzureißen und dann müsste er sie abwehren ... Ja, und wenn es soweit kommen würde, hätte er seine Chancen bei Lilja sicher verspielt. Es reichte ja schon, dass sie seine Rasse kannte, seinen 'niederen' - gut, das war Ansichtssache - Status, aber wenn sie auch noch von seiner Fähigkeit erfuhr ... Er konnte sich vorstellen, dass das ihre Angst vor ihm nur noch schüren würde. Dabei wollte er ihr keine Angst machen, er wollte generell Frauen keine Angst machen - nur in ganz seltenen Fällen. Bei Männer war seine ehrfurchteinflößende Aura immer sehr vorteilhaft gewesen und Elijah bemühte sich auch nur sehr selten um die Sympathie von Männern. Sie sollten ruhig wissen, dass er gefährlich und ein Ernst zunehmender Gegner war. In jeder Hinsicht.
Schließlich fragte Lilja, was er denn sonst noch so studiert hatte. Elijah brauchte nicht lange überlegen, die Zeiten als Student hatten ihm immer am besten gefallen, deshalb erinnerte er sich nur zu gut an seine unterschiedlichen Abschlüsse. "Also ... Wirtschaft, Politik, Jura und Medizin - alles an renommierten Universitäten.", zählte er auf und betrachtete sie dann forschend mit einem spitzbübischen Lächeln. Ob er sie damit beeindrucken konnte? Er wusste es nicht so recht. Vermutlich nicht. Vielleicht sollte er es eher mit der Militärschiene versuchen ... "Außerdem habe ich in West Point studiert und wurde ausgebildet - du solltest also gehörigen Respekt vor mir haben." Seine letzten Worte begleitete ein auflockerndes Zwinkern, während er an ihr vorbei schlenderte und die Worte mehr oder weniger in ihr Ohr raunte. Er trat zu den Mauer und fuhr mit den Fingerspitzen über die rauen Steine. Seine Kumpanen und er waren wie raue Steine gewesen, rohe Diamanten, die geschliffen und von den faulen und schwachen abgesondert werden mussten. Nach Abschluss seiner Ausbildung waren sie allesamt perfekte Soldaten gewesen, nein mehr als das, Strategen, Kämpfer und Anführer. Als er sich zurückerinnerte spürte er die Marke auf seine Brust unter dem T-Shirt umso deutlicher. Die Kälte gab ihm Sicherheit, Selbstbewusstsein - und sie erinnerte ihn an sein altes Ich. Den Engel, der nur hatte Gutes tun wollen und deshalb in den Krieg gezogen war. Tja, sie haben einen wertvollen Verbündeten verloren, als sie mich aus ihren Reihen stießen, dachte er un unterdrückte die Bitterkeit, welche sich in seinem Mund breit machte. Jetzt haben sie mich zum Feind.
Lilja riss ihn aus seinen Gedanken, als sie ihm noch einmal bestätigte, dass er attraktiv, charmant und intelligent war. Einen Augenblick sah er sie an, beinahe überrascht von ihrem flüchtigen Lächeln und ihrer leisen Stimme, doch schnell hatte er sich wieder gefangen und erwiderte ihr Lächeln. Irgendetwas war jedoch anders an diesem Lächeln. Sie war ehrlich gewesen, dass hatte er gemerkt - und es freut ihn tatsächlich. Auch wenn er sie kaum kannte und er nicht der außerordentlich kontaktfreudige Typ war, es bedeutete etwas für ihn.
Schlag dir das bloß aus dem Kopf!, knurrte eine Stimme in seinem Kopf. Sie ist weder unsterblich, noch eine wie Rachel. Für einen Augenblick schloss der Gefallene die Augen und als er sie wieder öffnete, waren diese Gedanken erfolgreich verdrängt. Nun wieder ganz in seinem Element zog Elijah eine Augenbraue hoch, als Lilja sich selbst als "abschreckend" bezeichnete.
"Wieso sollte man dich abschreckend finden?", fragte er, ehrlich verwundert. "Du achtest auf dein Äußerstes, bist nicht vollkommen unfreundlich ... Okay, in dir steckt ein Raubtier, aber im Prinzip steckt in jedem Menschen etwas Gefährliches, Wildes."
Elijah nickte zustimmend, als die Finnin Freitag für ihr "Date" vorschlug. "Sehr schön. Soll ich dich dann am Haupttor eurer Academy abholen?"
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BeitragThema: Re: Im Focus   So Sep 27, 2015 8:04 pm

Sie musste zugeben, dass sie es ziemlich amüsant fand, wie selbstsicher der Engel sich durchgehend gab, und nun versuchte er sich auch noch als Lehrer, was sie innerlich zum Grinsen brachte. Doch nach Außen hin sah sie ihn nur mit einer Mischung aus Faszination und Interesse an. "Du willst es mir beibringen?", fragte sie zur Bestätigung nochmal nach. Dass es sinnlos war, wollte sie ihm nicht verraten, schließlich konnte die ganze Sache am Ende für sie ziemlich lustig werden. Als er dann auch direkt mit Lektion 1 anfing, hätte wohl nicht mehr viel gefehlt, um sie doch zum Lachen zu bringen. Aber sie wollte natürlich eine gute Schülerin sein und atmete kurz durch, bevor sie ihn mit einem gleichgültigen und undurchdringlichen Blick musterte. "Ich kriege alles hin, wenn ich will", erwiderte sie selbstsicher und beinahe kühl. Wo ein Wille war..
Die Darbietung, die Elijah ihr bot, ließ sie dann doch lachen. "Oh ja und wie." Rebellische Gedanken.. Sie machte sich eben nicht so viel aus Regeln, obwohl die Finnin auch wusste, wann sie zu weit ging. "Meine Tante war oft mit den Nerven am Ende", fügte sie noch hinzu. Warum sie plötzlich von ihrer Familie anfing, oder dem, was sie als Familie sehen sollte, wusste sie nicht genau, aber bisher war es zum Glück nicht allzu persönlich geworden. Und Erwachsene verzweifelten oft an Teenagern, daher war es wohl nicht verwunderlich, wenn sie die Nerven verloren. Erst Recht nicht, wenn es um Lilja ging.
Die Reaktion des Gefallenen zeigte ihr, dass er nicht allzu begeistert von seinem Psychologiestudium war. Oder davon, dass sie ihn womöglich ebenfalls analysiert hatte. "Ein wenig", erwiderte sie daher wahrheitsgemäß und grinste. Viel konnte man nicht in so kurzer Zeit herausfinden, zumindest nicht ohne überhaupt mit dem Studium begonnen zu haben, aber sie konnte ein paar interessante Schlüsse über ihn ziehen - und das reichte ihr.
Abwartend hörte sie ihm zu, während er aufzählte, was er studiert hatte. Es beeindruckte sie sogar, wenngleich sie es ihm nicht unbedingt zeigen wollte und deshalb mit einem leichten Lächeln auf den Lippen nickte. "Wie soll es auch anders sein. Die schwierigsten und besten Studienfächer an den besten Universitäten." Damit hatte sie irgendwie bereits gerechnet, wobei sie sich auch gleich merkte, dass er auf jeden Fall eine Hilfe wäre, falls ihr jemals etwas passieren sollte. "Wo warst du überall?" Wenn sie Glück hatte zählte der Gefallene auch gleich ihre Wunschuniversitäten auf, dann müsste er sich wohl vor einem Ansturm aus Fragen gefasst machen.
Liljas Blick folgte ihm, als er an ihr vorbeischlenderte und dabei weitersprach. Sie wusste bereits, dass er gedient hatte, da verwunderte es sie nicht, dass er zuvor umfassend ausgebildet wurde. Und West Point war sogar ihr ein Begriff. Nur um ihm eine Freude zu machen, jedoch nicht ohne zu grinsen, salutierte sie kurz. "Ich habe vor jedem Respekt, wenn er es verdient" Kaum war ihre Hand wieder gesunken, fing sie an, ein paar kleinere Steinchen von der Mauer zu schubsen und ihnen nachzusehen, während sie vor dem Dunkelhaarigen landeten. "Du bist also Amerikaner mit einem falschen britischen Akzent?" Das war bisher jedenfalls die Schlussfolgerung, zu der sie gekommen war.
Zufrieden vor sich hinlächelnd konnte sie mitansehen, wie ihr Kompliment ebenfalls die erwünschte Wirkung verfehlte und es ihn für einen winzigen Moment aus dem Konzept brachte. So undurchschaubar wie er glaubte, war er eben nicht und das machte ihn sogar ein wenig sympathischer. Die Blondine zuckte mit den Schultern und seufzte. "Die meisten spüren es unterbewusst. Die Gefahr die von mir ausgeht. Und wenn sie mich nicht freiwillig meiden, was meistens vorkommt, sorge ich mit meinem Verhalten dafür." Bisher gab es niemanden, den sie nicht irgendwann erfolgreich in die Flucht geschlagen hatte, auch wenn einige länger gebraucht hatten, bis sie sie in Ruhe ließen. "Ich bin ihnen zu ehrlich, oder zu gewöhnungsbedürftig, habe zu hohe Ansprüche oder eine andere Meinung, die sie nicht hören wollen. Ich habe viele Gründe gehört und viele waren sehr absurd." Erneut zuckte sie mit den Schultern und ließ ihren Blick über die Gräber schweifen.
Die Augenbrauen der Finnin hoben sich, als er fragte, ob er sie an der Schule abholen sollte. "Wenn du Skyler und meinen Mitschülern dann erklären möchtest, warum ich mit einem Gefallenen ausgehe.." Sie jedenfalls hatte nicht vor, irgendwem irgendwas davon zu erzählen, zumindest nicht mit wem sie sich traf. Sie suchte in ihrer Tasche nach einem Stift und riss ein Stück Papier aus ihrem Notizbuch. Wenige Sekunden später war ihre Handynummer niedergeschrieben. "Du sagst mir wann und wo und ich werde da sein." Mit diesen Worten streckte sie ihm das Zettelchen entgegen und wartete, bis er es entgegengenommen hatte.

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BeitragThema: Re: Im Focus   Di Sep 29, 2015 4:37 pm

„Warum nicht?“ , erwiderte Elijah lächelnd auf ihre mehr oder weniger sinnvolle Frage hin und lächelte amüsiert. „Und wenn du dann im Casino auf eine Faust spielst, lasse ich mir von denjenigen, die dich abziehen einen Anteil zahlen.“ Wieder grinste er halb spitzbübisch, halb boshaft, legte den Kopf schräg und betrachtete Lilja aufmerksam. „Das traust du mich doch sicher zu, oder nicht? Wo ich doch so ein Bad-Boy bin …“ Den Begriff bad-Boy betonte er mit übertriebenem Spott und wartete dann gespannt auf ihre Antwort, wie ein lauerndes Raubtier, dass ein Beutetier einzuschätzen versucht. Zwar bezeichnete er sich gerne mal als Bad Boy, sah sich aber eher als … schelmischer Gentleman, der sich gerne die Freiheit nahm, Affären zu haben und zu beenden, wann immer er wollte. Immerhin gab es auch genug Frauen, die nur das von einem Mann wollten - ein paar Mal Spaß und danach eine unkomplizierte Trennung.
Anscheinend schien nicht nur er sich zu amüsieren, denn auch Lilja konnte - das sah er ihr deutlich an - sich ein Lachen kaum verkneifen. Das ist auf jeden Fall besser als wenn sie nur den Wunsch hegen würde, mir die Kehle aufzuschlitzen oder mich an die Schattenwelt Polizei zu verraten, dachte er.
„Diese Einstellung wird dich auf jeden Fall weit bringen.“, bemerkte er nur, mühte sich aber nicht, noch eine diesen Themenstrang weiterführende Antwort hinzuzufügen.
[color=#000000][ „Deine Tante?“/color], fragte er dann neugierig, als sie auf ihre innere Rebellion zu sprechen kamen. Elijah konnte es einfach nicht lassen, neue Informationen über jegliche Menschen herauszufinden, die er traf und so ging es ihm eben auch bei Lilja. War sie etwa nicht bei ihren Eltern aufgewachsen?
Etwas anderes war es natürlich, wenn er nun von sich selbst erzählen sollte, auch, wenn es nur um sein Studium ging. Die einzelnen Orte sagten natürlich nicht viel über ihn aus und es würde ihr oder jemandem, dem sie davon erzählte schwer fallen, über diese Informationen mehr über ihn herauszufinden, aber es war trotz allem Vorsicht geboten. Sie bewegte sich auf unsicherem Terrain, sobald es seine Lebensgeschichte anging.
„Oxford, Edinburgh, Zürich, Manchester und London - du merkst, ich habe ein Faible für Europa, vor allem für Groß Britannien. Lang lebe die Queen.“ Die letzten Worte wurden von einem nachlässigen Lächeln begleitet. Er meinte es nicht wirklich ernst. Natürlich - Groß Britannien war eines seiner Lieblingsländer. Aber seine wahre Treue galt immer noch den Vereinigten Staaten von Amerika, wie der Spruch, welcher seine Körper zierte nur zu deutlich zeigte. Wo er gerade bei seinem Heimatland war … Lilja salutierte vor ihm, auch wenn sie es natürlich nicht so hinbekam, wie ein echter Soldat und meinte dann, ihren Respekt müsse man sich verdienen. Der Gefallene sog scharf die Luft und schüttelte die Hand, als habe er sich an etwas verbrannt und machte einen betroffenen Gesichtsausdruck. „Na da bin ich ja sicherlich auf dem allerbesten Weg mit meinen ehrbaren Racheplänen und den ganzen anderen Lastern.“ Er lächelte träge und winkte dann locker ab. „Aber was soll’s. Ich werde meine Laster sich nicht ablegen, immerhin kann man sich auch anders etwas wie Respekt verschaffen.“
Schließlich kam Lilja auf seinen Akzent zu sprechen und ihre Worte veranlassten ihn dazu, zweifelnd eine Augenbraue hochzuziehen. „Ja, ich bin Amerikaner - aber der Akzent ist nicht falsch. Ich habe die Hälfe meines Lebens in Groß Britannien verbracht und ich liebe dieses Land, wieso sollte ich mich also nicht mit der Zeit den Gepflogenheiten anpassen?“ Er schlenderte an ihr vorbei und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. „Außerdem versteht man die Briten meist besser - obwohl ich, wenn ich nach Hause komme natürlich immer mit amerikanischem Akzent spreche.“
„Ach, was andere denken ist doch bis zu dem Punkt egal, an dem sie anfangen, dir mit ihrem Gerede unwiederherstellbare Schäden zuzufügen.“, meinte Elijah, nachdem sie ihm erzählt hatte, was andere von ihr dachten - oder was sie dachte, was andere von ihr dachten. In einer beinahe philosophischen Anwandlung drehte er sich zu ihr um und musterte ihr hübsches Gesicht mit neutraler, ernster Miene. „Wenn ich so direkt fragen darf … Hat dir jemand schon einmal wirklich Schaden zugefügt, der nicht wieder wettzumachen war, weil er dich nicht mochte? Du kennst doch bestimmt diese ganzen Sprüche von wegen, sei du selbst, blablabla … Das Schöne ist, man kann sich daran nur bedingt halten. Um zu überleben und Erfolg zu sein, muss man sich verstellen und sich mit Leuten gut stellen, die du nicht magst, die einfach widerlich sind. Und dazu muss man sich unterschiedliche Gesichter anlegen - und tadaa, schon hat niemand mehr etwas zu meckern, wenn du es nicht genauso willst.“ Er hatte diese Technik perfektioniert, auch wenn er wusste, dass viele diese Einstellung nicht schätzten. Aber was sollte er sagen … So war er verdammt weit gekommen - und glücklich war er noch dazu. Was wollte man schon mehr …?
Der Gefallene lachte kurz, als Lilja meinte, er müsste ihren Mitschülern dann erklären, warum sie mit einem wie ihm ausging und setzte danach eine beleidigte Miene auf. „Hat meine Rasse denn einen so schlechten Ruf bei euch?“, fragte er mit mitleidheischendem Blick. „Schau mich doch an - ich bin die Unschuld in Person!“ Er deutete an sich herab, zog dann aber eine seiner beiden Schusswaffen aus ihrem Versteckt hervor und drehte sie in der Hand. „Und die hier benutzte ich zum Beispiel nur zum Aufschlagen von Frühstückseiern.“ Elijah zwinkerte knapp und nahm dann den Zettel mit ihrer Handynummer entgegen. Er betrachtete ihn kurz, steckte ihn dann ein und nickte zufrieden. „Ich schreibe dir sobald ich mir etwas überlegt habe.“
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BeitragThema: Re: Im Focus   Di Sep 29, 2015 7:10 pm

Out: Ich entschuldige mich vielmals für die ungeplante Länge des Posts xD Er ist ein wenig.. außer Kontrolle geraten Laughing


"O ja, eine wirklich ausgezeichnete Idee, Elijah!", erwiderte sie mit sarkastischem Unterton in der Stimme und verdrehte kurz die Augen. Sie nahm sich eines der Kieselsteinchen und warf ihn damit für seine grandiose Idee einfach ab. Dennoch schlich sich dabei ein Grinsen auf ihre Züge. Aus irgendeinem Grund konnte sie einfach nicht anders. "Solange ich dich nicht besser einschätzen kann, traue ich dir alles zu, mein Lieber. Sogar dass du jeden Moment über mich herfällst." Ihre Worte waren durchaus ernst gemeint, auch wenn sie wusste, dass er es nicht so ernst gemeint hatte. Allein sein abfälliger Tonfall als er sich selbst als Bad Boy bezeichnete sagte ihr genug. Ob es ihm gefiel oder nicht, in gewisser Weise zählte er nun mal zu den Bad Boys, obwohl sie ihn anders genannt hätte. Jedenfalls in seiner Gegenwart.
"Ja, meine Tante." Ihre Worte wurden von einem leisen Seufzer und einem abgewandten Blick begleitet. Lilja gefiel es nicht besonders über ihre Familienverhältnisse zu sprechen, egal mit wem, deshalb erzählte sie oft nur das nötigste, auch wenn ein großer Teil davon nicht ganz der Wahrheit entsprach. Aber da sie es war, die mit diesem Thema angefangen hatte, war sie ihm wenigstens eine Erklärung schuldig. "Mein Vater ist beruflich sehr viel unterwegs und er fand, dass eine 8 Jährige in ein strukturiertes Umfeld gehört und nicht durch die Weltgeschichte reisen und in Hotelzimmern schlafen sollte." Nun sah sie den Gefallenen wieder direkt an, ein flüchtiges, mattes Lächeln huschte über ihre Lippen. "Mein Vater versucht seine Abwesenheit mit Geschenken auszugleichen, darum erzählt meine Tante gerne, ich sei ein verwöhntes und aufmüpfiges Ding, das niemals auf eigenen Beinen stehen wird." Dabei war die Blondine schon immer um einiges selbstständiger gewesen als ihre Altersgenossen soweit sie sich erinnerte. Seit Jahren regelte sie alles alleine und kümmerte sich auch entsprechend um alles, was ihrer Tante ebenfalls nicht besonders gefiel. "Ich habe ihr oft Probleme bereitet und mit 14 wollte sie mich deshalb in eines dieser Militärcamps für Jugendliche schicken, bis eine Nachbarin meinte, sie würden die Kinder dort an die Waffen lassen." Nun musste sie wieder grinsen bei der Erinnerung daran. "Sie hat es sich anders überlegt, die Vorstellung von mir mit Waffenkenntnissen war wohl noch beängstigender für sie." Dabei hatte sich ein Teil der damaligen Lilja richtig auf einen Sommer in irgendeinem Camp gefreut, nur um mal für ein paar Wochen Abstand zu ihrer Tante zu haben. Doch nun war sie zu alt und könnte höchstens beruflich zum Militär gehen. Ihre Zukunftspläne sahen jedoch anders aus.
Der Finnin war bewusst, dass sie sich auf einem sehr dünnen Eis bewegte, das unter ihrem Gewicht bereits bedrohlich knackte, nur weil sie etwas über seine Vergangenheit erfahren wollte. Sie fand, sie hatte ein Recht darauf, mehr über ihn herauszufinden, wenn er schon mehr über sie wissen wollte, dennoch versuchte sie sich vorzunehmen vorsichtiger vorzugehen. Gespannt lauschte sie den Städten, in denen er sich aufgehalten hatte und wurde nur noch neugieriger. Trotz ihrer Erwartung waren leider weder Harvard noch Yale unter den Universitäten, denn das waren ihre Ziele, aber man konnte ja nicht alles haben. "Sieht so aus, als wären wir in ähnlichen Orten gewesen", meinte sie daher lächelnd. Zumindest London und Zürich hatten sie gemeinsam und wer wusste schon, ob sie sich in der Vergangenheit nicht sogar bereits begegnet waren. Wenn, dann konnte sie sich nicht daran erinnern. "Wenn du in Zürich warst, sprichst du bestimmt auch Deutsch", mutmaßte sie einfach mal und wechselte für diesen Satz selbst ins Deutsche, um ihn zu testen. Es ging eben niemand in die Schweiz um während der Zeit kein bisschen Deutsch zu lernen. Das war, als würde man in Frankreich wohnen, ohne Französisch zu sprechen und damit für sie unvorstellbar.
Auf seine Reaktion hin zuckte sie grinsend mit den Schultern. "Mich interessieren weder Rachepläne noch Laster, um zu entscheiden, ob sich jemand mein Respekt verdient hat." Und bisher hatte sie keinen Grund ihm nicht mit einem Fünkchen Respekt zu begegnen. Schließlich brachte er ihr ebenfalls ein bisschen Respekt entgegen, auch wenn sie wusste, dass es zum Teil daher kam, dass er nicht als Hundefutter enden wollte. Sein Verhalten besonders ihr gegenüber war da ausschlaggebender und bisher hatte sie keinen Grund, ihn anzugreifen oder respektlos zu werden.
"Ich glaube, 'falsch' war das falsche Wort..", murmelte sie leise vor sich hin. Sie hatte nicht die Absicht, ihn irgendwie zu beleidigen oder seinen Akzent anzuzweifeln, aber er er hatte ihn sich lediglich angeeignet und damit war er nicht so richtig 'echt' aus ihren Augen. "Ich finde es wichtig, sich dem Land anzupassen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt." Sie hatte sich schließlich dazu durchringen können, extra Französisch zu lernen, obwohl sie weder ein Fan von der Sprache, noch von dem Land war. Aber was tat man nicht alles für seine Zukunft? Für ihn hatte es natürlich noch andere Gründe sich woanders anzupassen, er wusste schließlich, dass sein Leben nicht einfach so enden würde.
Nachdenklich nickte die Blondine bei seinen Worten und wich erneut seinem Blick aus, wenn auch nur unterbewusst und mehr oder weniger gut getarnt, um zum Horizont zu schauen. Auf seine Frage, konnte sie lediglich ein "Mhm" abgeben. "Aber nicht mit Worten", setzte sie nach einer kurzen Pause hinzu und zwang sich zu einem schiefen Lächeln. Das war wirklich etwas, worüber sie nicht reden wollte.
"Ich weiß, dass man vieles im Leben nur erreicht, wenn man sich verstellt, aber das ist nicht gerade mein Ding." Und trotzdem hatte es schon viele Momente in ihrem vergleichsweise kurzen Leben gegeben, in denen sie sich hatte verstellen müssen. "Der Weg zum Erfolg ist beschissen."
Der Blick des Gefallenen löste in Lilja nur den Drang zu lachen aus, was sie auch für einen kurzen Moment tat. "Nein, das ist es nicht mal. Bei einigen bestimmt, aber auch bei uns gibt es Gefallene und noch viele andere, die weitaus schlimmer sind." Grinsend schüttelte sie den Kopf. Unschuld in Person, wer das wohl glauben soll. "Date und Lilja passen nicht zusammen. Das sind Dinge, die nicht vorkommen. Und dann mit dir. Ich kann mir nichts vorstellen, was mehr Aufmerksamkeit erregen würde. Nicht nur, dass du hier fremd bist und die Hälfte der Schüler sich schon deswegen Gedanken machen würde." Immerhin waren sie hier, um nicht von irgendwelchen Fremden entdeckt zu werden. Dabei passten „Lilja“ und „Gefahr“ ziemlich gut zusammen.
"O ja, das glaube ich dir sofort. Ersetze aufschlagen durch schießen, dann bleibt nur noch die Frage, was für Eier.." Doch das waren wieder Dinge, über die sie eigentlich nicht nachdenken wollte.
Ein kurzes Nicken, begleitet von einem ehrlichen und freundlichen Lächeln zeigten an, dass sie damit einverstanden war. "Gut." Sie wollte sich gerade endlich ihre Kamera schnappen und sie wieder anschalten, damit sie auch mal das tun konnte, worum sie gerade gehandelt hatte, als ihr eine weitere Idee kam. "Du kannst doch bestimmt tanzen, oder?", versuchte sie möglichst beiläufig zu fragen, während sie an den Einstellungen der Kamera herumspielte und den Blick nur kurz hob um seine Reaktion beobachten zu können.
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BeitragThema: Re: Im Focus   So Okt 04, 2015 2:34 pm

„Hey!“, protestierte der Gefallene, duckte sich unter dem Kieselstein weg und erhob sich dann wieder mit übertrieben beleidigter Miene. „So lasse ich nicht mit mir umspringen!“ In seine graubraunblauen Augen trat ein schelmischer Ausdruck. Sie flirtete mit ihm. Ziel eins ist erreicht, dachte er und Zufriedenheit erfüllte seine Brust. Dann breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus, als er einige schnelle Schritte auf sie zu machte, wobei sein offener Mantel sich leicht hinter ihm bauschte, und tat als würde er sie in die Enge treiben wollen. „Na komm, Wölfchen, entschuldige dich bei dem feinen Herren.“, stichelte er, verengte die Augen leicht und betrachtete das Mädchen mit einem amüsierten Lächeln, das eine Spur Boshaftigkeit erahnen ließ. Er wollte ihr natürlich nicht wehtun oder sie zu irgendetwas zwingen - immerhin war er doch ein Teilzeit-Gentleman -, er wollte nur seine Grenzen austesten. Wie leicht ließ sie sich wohl provozieren …?
Als Lilja dann jedoch sagte, sie würde ihm zutrauen, dass er über sie herfiele, traf Elijah dann jedoch tatsächlich tiefer, als ihm lieb war. Die Wärme seines Lächelns verwandelte sich in Bitterkeit und er machte einen Schritt zurück. „Das enttäuscht mich jetzt aber“, bemerkte er, nachdem der Gefallene kurze Zeit geschwiegen hatte, und musterte Liljas Züge mit einem Ernst wie er sie selten in Gesprächen mit Frauen an den Tag legte. Leichte Falten bildeten sich auf seiner Stirn, als er das Gesicht zu einer nachdenklichen Miene verzog. „Ich achte Frauen - mehr, als die meisten Männer - und würde niemals, wirklich niemals einer Frau meinem Willen aufzwingen, egal, in welchem Sinne.“ Elijah schwieg kurz, dann fügte er hinzu: „Um es soweit kommen zu lassen, müsstest du mich wirklich unablässig beleidigen, demütigen … oder diejenigen umlegen, die mir am allernächsten stehen.“ Nach seinen letzten Worten konnte er ein halb amüsiertes, halb verbittertes Schnauben nicht unterdrücken. Nur geht das nicht mehr … Immerhin ist Rachel tot.
Aber nicht nur seine Stimmung rutschte in dem Moment etwas ab, nein, auch Liljas Reaktion auf seine Frage nach ihrer Tante zeigte ihm, dass dieses Thema ihr nicht gefiel. Er betrachtete sie mit ruhiger, gefasster Miene und hörte still zu - ohne auch nur im Ansatz an eine spöttisch, lustige Bemerkung zu denken. Er konnte ja manchmal ein Arschloch sein, aber selbst er merkte, wann das unangebracht war. Immerhin wusste er selbst gut genug, wie schrecklich mentale Qualen sein konnten, egal, was ihnen zu Grunde lag. Man konnte zwar behaupten, Kriegserfahrungen wären schlimmer als Probleme in der Familie - aber er war der letzte, der die Auswirkungen von Familienproblemen beurteilen konnte. Gut, er hatte im Studium etwas darüber gelernt, aber selbst hatte er nie eine echte Familie gemacht. Seine Eltern waren ihm unbekannt und er hatte zwar seine erste Adoptivfamilie geliebt, aber es war eben … nicht seine richtige Familie. Er hatte nie eine echte Familie gehabt, wie also sollte er sich in Liljas Situation hineinversetzen können?
Als sie geendet hatte, schwieg Elijah für einige Zeit und legte sich seine nächsten Worte zurecht. Er wollte nicht klingen wie jeder andere, indem er ihr auf die Schulter klopfte und sagte „Das wird schon“. So etwas war nicht besonders hilfreich.
„Ich kann verstehen, warum sie dich nicht an Waffen lassen wollte“, begann er schließlich, zwinkerte ihr leicht zu und versuchte sich an einem matten Lächeln. „Du bist schon so ziemlich wehrhaft … Aber du hast wirklich Glück gehabt, dass dir so ein Camp erspart geblieben ist - diese Dinger sind schrecklich.“ Er hatte schon mehrere Leute kennengelernt, die entweder als Jugendlich in ein solche Camp geschickt worden waren oder dort als Aufseher gearbeitet hatten. Beide Seiten hatten ihm Geschichten erzählt, die man nicht selbst miterleben wollte. Disziplin hin oder her, manche Dinge gingen einfach zu weit. „Aber es ist natürlich schwer, den Mittelweg zwischen Erfolg und Karriere und Familie zu finden.“, fuhr er dann fort, nachdenklich den Kopf wiegend. „Einerseits regiert Geld die Welt, man braucht also möglichst viel davon, aber andererseits kann man natürlich nicht einfach seine Familie vernachlässigen … Vermutlich siehst du das nicht unbedingt so, aber es war sicher die bessere Variante, dich bei deiner Tante unterzubringen, auch wenn sie nicht die Freundlichkeit in Person war.“ Er lächelte wieder leicht. „und es hat dich stark gemacht. Du bist jedenfalls nicht eines dieser verweichlichten Mädchen, dass sich weder verbal noch körperlich verteidigen kann. Alles hat seine guten Seiten …“
Sie kamen wieder von dem Thema ab, zurück auf seine unterschiedlichen Wohnorte. Lilja wechselte plötzlich wieder in eine andere Sprache, jetzt redete sie auf Deutsch. Elijah verzog den Mund zu einer Grimasse und erwiderte ebenfalls auf Deutsch: „Ich spreche die Sprache, aber ich mag sie nicht sonderlich. Erstens ist sie viel zu kompliziert, hört sich total unfreundlich an und ich werde immer an den Krieg erinnert.“ Sein Deutsch war nicht das Beste, er konnte zwar fließend sprechen, gab sich aber nicht wirklich Mühe, die Feinheiten und Schlupflöcher dieser Sprache kennenzulernen und zu nutzen. In anderen Sprachen liebte er Wortspiele und Ähnliches aber im Deutschen … Einfach nicht mein Ding.
Auf seine Laster wollte der Gefallene nicht mehr zu sprechen kommen, deshalb ließ er das Thema fallen und wandte sich lieber der Verteidigung seines Akzentes zu. „Anpassung ist alles.“, bemerkte er lächelnd. „Unsere Rasse hätte es nie so weit gebracht, wenn sich die Menschen nicht als so unglaublich anpassungsfähig bewiesen hätten. Und diese Fähigkeit sollten wir uns auch behalten, wer weiß schließlich, was noch auf uns zukommt … Vielleicht besiedeln wir ja bald den Mars - da müssen wir uns dann in jedem Fall anpassen, sonst ist das ganz schnell zu Ende.“ Er war fest davon überzeugt, dass der Imperialismus der Menschen sich allzu bald so entwickeln würde, dass man andere Planeten tatsächlich besiedeln würde - immerhin wurden es immer mehr Menschen auf der Erde und diese wuchs natürlich nicht mit. Dementsprechend würden sie entweder irgendwann alle gegenseitig umbringen - das taten Menschen ja sowieso so gerne - oder man würde sich eben andere Orte zum Leben suchen müssen. Und was eignete sich besser, als eine rote, (beinahe) staubtrockene Kugel, die den Namen eines römischen Kriegsgottes trug? Na hoffentlich wirkt sich der Name nicht auf das Verhalten der Siedler aus … Noch mehr Krieg brauchen wir nun wirklich nicht.
Aber Konflikte waren ja leider nicht zu verhindern. Trotzdem wurmte es ihn, dass es fast immer die falschen Leute traf. Er betrachtete Lilja nachdenklich, als diese meinte, sie wäre verletzt worden - aber nicht mit Worten. Er verkniff sich eine neugierige Frage, denn ihr Ausdruck sprach Bände. Er sollte nicht nachfragen - und er würde ihren Wunsch beherzigen. Ob sie wohl auch Opfer einer Auseinandersetzung gewesen war, der sie eigentlich nur zufällig beiwohnte? Hatte es sie als Unbeteiligte getroffen? Oder war sie vielleicht doch eher der Typ Mensch, der einen der Konfliktteilnehmer darstellte? Letzteres schien Elijah bei ihr nicht allzu abwegig …
„Aber wenn man dann Erfolg hat, ist man nicht mehr zu stoppen.“, ergriff er wieder das Wort und lächelte. „Dann kannst du es so vielen Leuten heimzahlen, die dich vorher wie Dreck behandelt haben, denn dann sitzt du am längeren Hebel. Es ist wirklich schwer - aber es lohnt sich.“ Er hatte genug Erfahrungen mit Erfolg, da sprach der Gefallene aus vielen, eigenen Erfahrungen.
Ihr Lachen lockerte die Stimmung wieder wesentlich auf und tatsächlich stieß auch Elijah ein kurzes, ungläubiges, aber belustigtes Schnauben aus. „Was kann denn schlimmer sein, als ein Engel, der degradiert wurde?“, fragte er spöttisch, wusste aber natürlich die Antwort. Blutdurstige Vampire zum Beispiel. Oder unberechenbare Dämonen. „Tja, ich halte mich aber eben nicht gern an ‚ungeschriebene Regeln‘“, meinte Elijah grinsend und betrachtete die Blondine mit einem schelmisches Lächeln. „Aber falls du mal ein bisschen Aufmerksamkeit erregen willst, bin ich gerne bereit, dich auch vom Internat abzuholen.“
Ihre folgenden Worte ließen den Gefallenen dann doch laut auflachen und er brauchte eine Minute, um sich wieder ganz zu fangen. Dann sah er Lilja an, grinste und schüttelte den Kopf. „Mann, mann, mann … Du siehst so unschuldig aus, und dann haust du solche Sachen raus. Das war echt gut.“ Er steckte die Waffe wieder weg, leise in sich hinein lachend. Bleibt nur noch die Frage, was für Eier … Liljas Art hatte tatsächlich ein gewisse Schärfe - und das gefiel ihm sehr gut. Da konnte er sich wirklich auf ihr Date freuen … Ja, er konnte es wirklich kaum erwarten.
„Klar kann ich tanzen - ich kann so gut wie alles“, scherzte er, wurde dann aber wieder ernster. „Nein ehrlich, ich habe früher viel getanzt zu meiner Zeit als Soldat, und das auch ziemlich ausgelassen. Dann war mir eine Zeit lang nicht so danach, aber … wie will man denn Frauen kennenlernen, wenn man im Club nicht tanzt?“ Ein provokantes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, während er gespannt auf ihre Reaktion wartete.
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